Türkische Ärztevereinigung: Proteste fordern rund 4400 Verletzte

Eine Woche nach Beginn der heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten in mehreren türkischen Städten hat die türkische Ärztevereinigung (TTB) eine erste Bilanz gezogen. Auf diesem Wege sollen die gesundheitlichen Folgen für Zivilisten dokumentiert werden, die durch das harsche Vorgehen durch die Polizei verursacht wurden.

„Als türkische Ärztekammer versuchen wir die gesundheitlichen Probleme, die nahezu alle durch die Polizeigewalt bei den landesweiten Protesten verursacht wurden, zu dokumentieren“, zitiert der whatishappeninginistanbul.com die türkische Ärztevereinigung (TTB). Die Daten, so heißt es, würden von den Büros der TTB und ihren Kollegen übermittelt.

Die meisten Verletzungen gab es in Istanbul

Seit vergangenen Mittwoch, den 5. Juni, ab 18 Uhr, werden diese Daten nun aufgeschlüsselt aufgelistet und täglich aktualisiert. Bisher wurden Verletzungen aus insgesamt zwölf Städten registriert. Insgesamt sollen 4355 Personen während der Auseinandersetzungen in Mitleidenschaft gezogen worden sein. 47 von ihnen erlitten schwere Verletzungen. Zwei Personen in Ankara, eine in Eskişehir und insgesamt drei sind in kritischem Zustand. 18 erlitten Kopftraumata. Zehn Personen verloren ihr Augenlicht. Einem Beteiligten wurde die Milz entfernt. Zwei Zivilisten wurden getötet. Auch ein Polizist kam im Zuge der Demonstrationen ums Leben. Ein weiterer Zivilist wurde später für tot erklärt (mehr hier).

Die meisten Verletzten gab es der Auflistung zufolge in Istanbul, gefolgt von Ankara, İzmir, Antakya, Adana und Eskişehir.

Unterdessen fürchten türkische Radiosender neue Zusammenstöße. In einer gemeinsamen Erklärung haben sie sich am Ende der Woche an das türkische Volk gewandt. Ihre Botschaft ist deutlich: Die Menschen in der Türkei sollen sich daran erinnern, dass sie ein Volk seien. Verurteilt werden sowohl die Polizeigewalt als auch Angriffe gegen Polizeibeamte (mehr hier). Derweil hat sich auch der Bundesvorstand der Grünen, Cem Özdemir ein Bild von der Lage vor Ort gemacht. Während seiner Türkeivisite am 6. und 7. Juni sprach er unter anderem mit Demonstranten auf dem Taksim Platz. Er lobte die Menschen für ihren Einsatz. Immerhin habe es der türkische Premier so geschafft, auch gegensätzliche Lager zu einen.

Rating-Agenturen zeigen sich von den Protesten unbeeindruckt – hier.

In der New York Times hat der türkische Protest nun auch eine Stimme – hier.

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