Strafe droht: Preismanipulation bei Pharmakonzernen

Der deutsche Pharmakonzern Merck und acht weitere Konkurrenten werden wegen Preistreiberei mit Strafzahlungen belegt. Den Unternehmen wird vorgeworfen, die Preise von Medikamenten um bis zu 20 Prozent in die Höhe getrieben zu haben.

Die EU will noch in diesem Monat Strafen gegen insgesamt neun Pharmahersteller verhängen. Unter ihnen sind die deutsche Gesellschaft Merck sowie der dänische Pharmahersteller Lundbeck. „Die Strafe für Lundbeck wird voraussichtlich erheblich sein, für die anderen wird sie geringer ausfallen“, sagte eine ungenannte Quelle der Nachrichtenagentur Reuters.

Den Unternehmen wird vorgeworfen, die Preise von Medikamenten um bis zu 20 Prozent in die Höhe getrieben zu haben. Durch Bestechungszahlungen an Generikahersteller sei der Marktstart billigerer Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff gezielt verhindert worden. Nach den Richtlinien der EU stellt das den Sachverhalt des unlauteren Wettbewerbs dar.

Die Strafe für Lundbeck kann bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes betragen. Im schlimmsten Fall wären das 240 Millionen Euro. Grundlage für die Strafzahlungen ist das bereits 2009 beschlossene Pay-for-Delay-Abkommen. Es soll die verzögerte Einführung von Generikamitteln verhindern, da dies zum gesundheitlichen und finanziellen Nachteil der Patienten führt.

Das Ausmaß der Betrugsreihe ist enorm: Unter den Generikaherstellern sind die ehemalige britische Merck-Tochter Generics-UK, Arrow, Resolution Chemicals, Xellia Pharmaceuticals, Alpharma, A.L. Industrier und die indische Firma Ranbaxy.

Eine Stellungnahme war vom deutschen Pharmaunternehmen Merck nicht zu bekommen. „Wir äußern uns nicht zu laufenden juristischen Verfahren“, sagte eine Sprecherin. Lundbeck hingegen weist jegliches Fehlverhalten von sich. Man sei noch nicht offiziell von der Verhängung einer Strafe informiert worden.

Die Pharmariesen befürchten durch die Vermehrung von Generikaprodukten einen Einbruch ihrer Gewinne. Weltweit laufen die Patente für einzelne Medikamente aus, was der Entwicklung von Generika die Tür weit öffnet. Ein Einbruch der Einnahmen lässt sich bei den großen Arzneimittelherstellern jedoch noch nicht beobachten. Das deutsche Unternehmen Bayer ist derzeit mit der Übernahme von Conceptus – einem US-amerikanischen Verhütungsmittelhersteller – beschäftigt, um sich weitere Marktanteile zu sichern.

Zukünftig wird die Einführung neuer Präparate durch das Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG) erschwert werden. Dieses Gesetz soll sicherstellen, dass die neuen Arzneimittel tatsächlich einen Mehrwert für den Patienten bringen. Die Pharmalobby befürchtet, bald kein Geld mehr für die Erforschung neuer Medikamente aufbringen zu können.

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