12. Tag der Proteste in Türkei: Erdoğan provoziert, Polizisten begehen Selbstmord

Auch am 12. Tag der Taksim-Proteste kam die Türkei nicht zur Ruhe. Erdoğan hielt drei Reden in Ankara, Adana und Mersin. Er sagte, dass es den Demonstranten nicht um Umweltschutz gehe, sondern um Zerstörung und Plünderung. Sechs Polizisten sollen bisher aufgrund des großen Drucks Selbstmord begangen haben.

Am 12. Tag der landesweiten Proteste in der Türkei hielt Ministerpräsident Erdoğan gleich drei öffentliche Reden in Adana, Mersin und Ankara. Er sagte, dass auch er Umweltschützer sei (mehr hier) und immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Gezi Park-Aktivisten habe. Doch das, was in der Türkei aktuell geschehe, seien nicht demokratische Forderungen, sondern Zerstörungen durch Plünderer. Tausende Türken wohnten seinen Reden bei und riefen ihm zu: „Die Türkei ist stolz auf dich“.

Die AKP habe in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 2,1 Milliarden neue Bäume einpflanzen lassen. „Niemand kann uns in puncto Umweltschutz Lehrstunden erteilen“, zitiert die Hürriyet Erdoğan. Doch darum gehe es den meisten Demonstranten nicht. Viele von ihnen seien keine Umweltschützer.

„Ich habe eine Bitte an euch. In sieben Monaten sind die Regionalwahlen. Ich möchte, dass ihr diesen Leuten an der Wahlurne antwortet. Sowohl im Inland als auch im Ausland gibt es Menschen, die den Aufstieg unseres Landes nicht verkraften können. Zeigt ihnen bei den kommenden Wahlen, dass sie sich zu Recht ärgern“.

Attacken gegen Frauen mit Kopftüchern

Im Zuge der Proteste soll es in einigen Vierteln Istanbuls zu Attacken gegen Kopftuchträgerinnen gekommen sein (mehr hier). Die Aktivisten von OccupyGezi protestierten zuvor lautstark gegen die Gewalttaten. Denn unter ihnen befinden sich auch Aktivistinnen mit Kopftüchern.

„Bierflaschen in Moscheen“

„Einst war es meinen kopftuchtragenden Schwestern verboten, am Universitätsbetrieb teilzunehmen. Sie wurden behandelt wie die Paria. Doch sie haben durchgehalten und haben zu keinem Zeitpunkt zur Gewalt aufgerufen. Denn der Lohn der Geduld ist die Glückseeligkeit“, sagte Erdoğan.

Doch die Demonstranten seien von einem anderen Format. Sie seien mit Bierflaschen und ihren Schuhen in die Dolmabahçe-Moschee eingedrungen, was eine Entweihung bedeute (mehr hier) „So weit sind diese Leute gegangen“, zitiert Haberturk Premier Erdoğan. Den Angaben des Vorbeters der Dolmabahçe-Moschee zufolge habe es einen derartigen Vorfall nicht gegeben, berichtet die Hürriyet.

Polizei hält Druck nicht Stand

Währenddessen hat sich auch die türkische Polizeigewerkschaft Emniyet-Sen zu Wort gemeldet. Sie kritisiert die Arbeitsbedingungen unter denen die Polizeibeamten aktuell im Einsatz sind. Seit Beginn der Ausschreitungen in der Türkei, sollen sich bisher sechs Beamte das Leben genommen haben. Zwei von ihnen sollen während der Einsätze Selbstmord begangen haben (mehr hier).

„Sie sind bis zu 120 Stunden im Dauereinsatz. Insbesondere die herangezogenen Einsatzkräfte aus den Provinzen in Istanbul und Ankara machen ihre Arbeit unter katastrophalen Bedingungen. Sie schlafen auf den Straßen“, zitiert die Milliyet den Emniyet-Sen-Vorsitzenden Faruk Sezer.

Das gewalttätige Vorgehen der Polizei sei auch eine Reaktion auf jene miserablen Bedingungen. „Wir sammeln derzeit Beweismaterialien, um unseren Vorwurf zu belegen. Anschließend werden wir gegen die Verantwortlichen vor Gericht ziehen. Diejenigen, die unsere Beamten in eine derart schlecht Lage gebracht haben sind Vaterlandsverräter“, so Sezer.

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