Trotz Mehreinnahmen: Deutsche Ärzte investieren kaum

Das Nettomonatseinkommen der Vertragsärzte wuchs binnen eines Jahres um fast zwanzig Prozent. Jedoch sind die Ausgaben ebenfalls stark gestiegen, sodass die Investitionsschwäche nicht überwunden werden konnte.

Aktuelle Daten aus dem Zi-Praxis-Panel  (ZiPP) deuten darauf hin, dass die Honorarreformen der vergangenen Jahre bei Vertragsärzten zu Mehreinnahmen geführt haben. Verdiente ein Arzt im Jahr 2008 im Durchschnitt noch etwa 5.000 Euro monatlich, waren es ein Jahr später bereits 5.900 Euro. Das entspricht einer Wachstumsrate von 18 Prozent.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) fand zudem heraus, dass die durchschnittliche Arbeitszeit bei Vertragsärzten bei rund 50 Stunden pro Woche liegt. Das sind zwei Stunden weniger als bei der letzten Erhebung.

Ein Arzt erhält 31 Euro pro Arbeitsstunde. „Die Reformen der vergangenen Jahre wirken“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung  Andreas Köhler in einem Vorwort des Zi-Berichts. Es gebe eine greifbare Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Arztpraxen im Rahmen ihrer vertragsärztlichen Tätigkeit.

Auch die Einnahmen der Ärzte steigen: Im Schnitt nahmen Ärzte pro Jahr 266.300 Euro ein – ein Zuwachs von vier Prozent. Die Ausgaben stiegen jedoch nur um 0,6 Prozent auf 125.800 Euro. Der Überschuss im Vergleich zum Vorjahr beträgt fast sieben Prozent.

Trotz dieser für die Ärzte erfreulichen Zahlen konnte die laut Köhler „Besorgnis erregende Investitionsschwäche“ nicht überwunden werden. Ein Grund sind die gestiegenen Betriebskosten. Sie sind zwischen 2007 und 2009 um 2,8 Prozent angewachsen, berichtet die Ärztezeitung.

Der Hauptgrund, weshalb die Ärzte vor Investitionen zurückschrecken, sind jedoch die Personalkosten, die fast die Hälfte der Gesamtaufwendungen der Praxen ausmachen (47%). Von 2007 bis 2009 sind die Personalkosten um fast acht Prozent überdurchschnittlich stark gestiegen. Die Aufwendungen für Miete und Nebenkosten sind ebenfalls gestiegen (+5,1%).

Trotz der oben beschriebenen Mehreinnahmen schrecken vor allem Hausärzte vor Innovationen zurück. Sie gaben im Schnitt 7.500 Euro pro Jahr für ihre Praxen aus. Der Bedarf an Innovationen liegt jedoch mit 22.000 Euro erheblich höher. Um die Innovationen voranzutreiben und die Verteilung der finanziellen Mittel gerechter zu organisieren, soll die Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) zum 1. Oktober 2013 wirksam werden.

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