Türkisches Alkoholverbot: Tourismussektor fürchtet schwere Umsatzeinbußen

Türkische Touristikunternehmen und Spirituosenhersteller sorgen sich um ihre Zukunft. Sie fürchten, dass mit in Kraft treten des neuen Alkohol-Gesetzes, welches Werbung verbietet und Verkäufe einschränkt, auch ihre Einnahmen massiv zurückgehen könnten.

Türkische Getränkehersteller und Vertreter aus dem Tourismussektor haben kurz vor der finalen Entscheidung noch einmal ihren Unmut über das geplante Alkoholgesetz geäußert (mehr hier). Der entsprechende Entwurf war bereits Ende Mai von der parlamentarischen Kommission gebilligt worden. Jetzt weisen die Kritiker noch einmal darauf hin: Tritt das Gesetz tatsächlich in Kraft, könnte das immense Auswirkungen auf die Einnahmen in der Touristikbranche haben. Auf der anderen Seite hätte eine solche Regelung allerdings nur wenig Einfluss auf den Alkoholmissbrauch. Das berichtet die türkische Hürriyet.

Erst im vergangenen Monat waren die Pläne der türkischen Regierung bekannt geworden, Werbung für Alkohol völlig zu verbieten und ein Verkaufsverbot zwischen 22 Uhr am Abend und sechs Uhr am Morgen zu verhängen. Und der türkische Premier Erdoğan scheint nichts umstimmen zu können (mehr hier).

Gegen Alkoholmissbrauch: Zusammenarbeit wäre besser

Bereits kritisch zu Wort gemeldet hatten sich Bier- und Spirituosen-Hersteller. Allerdings vertraten sie die Ansicht, dass es noch zu früh wäre, um potentielle Auswirkungen der Beschränkungen auszumachen. Diageo, der führende Spirituosen-Hersteller in der Türkei, der 2011 das lokale Unternehmen Mey Icki aufgekauft hatte, erklärte am 31. Mai, dass die Zusammenarbeit zwischen Regierung, Industrie und Interessengruppen eine bessere Möglichkeit gewesen wäre, Alkoholmissbrauch sinnvoll zu bekämpfen. Galip Yorgancioglu, Geschäftsführer von Diageo Türkei, sagte in einem Email-Statement, dass Regelungen, die sich mit der Realität des Alkoholmissbrauchs befassten weitaus sinniger wären als ein Vermarktungsverbot, welches den Tourismus und andere Bereiche des Handels beeinflussen würden.

Alkohol-Gesetz: Branche spürt erste Auswirkungen

Unmut, so das Blatt, käme nun auch von Seiten Pernod Ricard. Die Nr. 2 der türkischen Spirituosen-Hersteller sei enttäuscht, dass sie nicht konsultiert worden wäre. Auch bei Pernod Ricard zeigt man sich davon überzeugt, dass das Alkohol-Gesetz am eigentlichen Ziel vorbeischieße.

Unterdessen seien die ersten Auswirkungen nach Angaben der Hürriyet schon erkennbar. Die Aktien des türkischen Bierherstellers Anadolu Efes fielen am 24. Mai, dem Tag, als das Vorhaben bekannt wurde, um 7,6 Prozent, die von Turk Tuborg um zwei Prozent. Und die Talfahrt geht weiter. Seither haben die Papiere noch einmal 8,3 und 9,5 Prozent eingebüßt. Zudem würde berichtet, dass einige Geschäfte schon jetzt, bevor das Gesetz überhaupt in Kraft sei, Druck zu spüren bekämen und Werbung im Zusammenhang mit Alkohol entfernen mussten. Ausländische Unternehmen, so ein Sprecher von Pernod Ricard, würden jetzt zweimal überlegen, ob sie in der Türkei investieren.

Türkische Getränke-Unternehmen schätzen derweil, dass der Alkoholkonsum pro Person in der Türkei bei etwa 1,3 Liter pro Jahr liegt, während der Durchschnitt in Europa bei zehn bis elf Litern und in Russland gar bei 16,5 Litern liege.

Die türkische Tourismusindustrie ist jedenfalls überzeugt, die Beschränkungen werden den Einnahmen aus der Branche, einem wichtigen Wirtschaftszweig des Landes, schaden. „Das mittelfristige Ziel der Türkei für 2023 ist es, 50 Millionen ausländische Besucher anzuziehen und 50 Milliarden Dollar Umsatz machen. Um dies zu erreichen, müssen die Einnahmen pro Tourist von derzeit 800 auf 1000 Dollar steigen. Dies ist jedoch nicht möglich, wenn man keine Getränke verkauft und es Einschränkungen für die Urlauber gibt“, sagt Timur Bayındır, Leiter der türkischen Hotel- und Gaststättenvereinigung TUROB. Die türkische Tourismusbranche setzte 2012 29,4 Milliarden Dollar um. Ein Alkoholverbot in der Ägäis-Provinz Afyonkarahisar wurde im März dieses Jahres gekippt (mehr hier).

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