Tränengas-Einsatz im Morgengrauen: Polizei stürmt Gezi Park

Im Morgengrauen ist die türkische Polizei erneut gegen Aktivisten im Gezi Park vorgegangen. Die Beamten setzten Tränengas ein. Zuvor hatte Istanbuls Bürgermeister Hüseyin Avni Mutlu versprochen, dass es keinen Einsatz gegen Gezi Park-Aktivisten geben werde.

10:06: Der Taksim-Platz wurde von Einsatzkräften und Bulldozern weitgehend geräumt. Erdoğan wird sich am Mittwochnachmittag mit Vertretern der Protestbewegung zu einem Gespräch treffen.

02:29 Uhr: Die türkische Polizei hat den Gezi Park gestürmt und Tränengas eingesetzt. Zuvor hatte der Gouverneur von Istanbul gesagt, dass es unter „keinen Umständen“ zu einem Einsatz gegen die Gezi Park-Aktivisten kommen werde, berichtet die Hürriyet.

23:58 Uhr: Die Zusammenstöße auf dem Taksim-Platz zwischen der türkischen Polizei und Demonstranten dauern an. Haberturk meldet 39 Verletzte auf beiden Seiten.

15:44 Uhr: Spezialeinheiten der türkischen Polizei haben im Rahmen einer Razzia im Istanbuler Gerichtsgebäude von Çağlayan insgesamt 49 Rechtsanwälte festgenommen. Die Anwälte hatten sich im Gerichtsgebäude zusammengefunden, um gegen den kürzlichen Polizeieinsatz auf dem Taksim-Platz zu protestieren (mehr hier).

12.15 Uhr: Premier Erdoğan sagt, dass er sich nicht ändern werde. „Ich möchte betonen, dass wir keinen Unterschied zwischen dem Gezi Park Protest und den anderen landesweiten Protesten sehen. Zudem sind wir dabei herauszufinden, wer die eigentlichen Drahtzieher sind“, zitiert Haberturk Erdoğan. Der Gezi Park-Protest sei kein „unschuldiger Protest“. Er verurteile die Künstler, Journalisten, Geschäftsmänner und Medien, die nur damit beschäftigt gewesen sein sollen, noch mehr Öl ins Feuer zu kippen.

9.25 Uhr: Obwohl Erdoğan öffentlich gesagt hatte, dass er einen Dialog mit den Demonstranten führen werde, kam es in den Morgenstunden des 11. Juni zu einem erneuten Großeinsatz der türkischen Polizei gegen Demonstranten. Die Polizei stürmte den Taksim-Platz und setzte abermals Tränengas und Wasserwerfer ein, berichtet Hürriyet. Barrikaden an den Zufahrtsstraßen wurden niedergerissen.

Zuvor hatte der Gouverneur von Istanbul, Hüseyin Avni Mutlu, gesagt, dass einzig und allein Plakate und Schilder vom Taksim-Platz entfernt werden sollen. Im Verlauf der Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten ging ein Wasserwerferwagen (TOMA) in Flammen auf.

Woher kommen die Molotow-Cocktail-Werfer?

Zwei Menschen sollen verletzt worden sein. Einige Demonstranten beschweren sich darüber, dass urplötzlich Männer unter ihnen aufgetaucht seien, die angefangen haben sollen, Molotow-Cocktails auf die Wagen zu werfen. Sie vermuten „als Aktivisten getarnte Polizisten“, die den Protesten durch Gewalteinsatz ihre Legitimität nehmen sollen. Die Journalistin Aslı Aydıntaşbaş fragt per Twitter: „Seit Beginn der Proteste wurden keinerlei Molotow-Cocktails seitens der Demonstranten eingesetzt. Alle stellen sich jetzt die Frage, woher diese Molotow-Cocktail-Werfer am frühen Morgen herkommen?“.

Chance für AKP

Dabei hat die AKP-Regierung die einmalige Möglichkeit, die Proteste positiv zu nutzen und auf die Menschen einzugehen. US-Ökonom Daron Acemoğlu hofft, dass die AKP-Regierung die Demonstrationen in der Türkei als die Geburt einer neuen Demokratiebwegung betrachten werde.

Denn positive Signale seitens der Regierungspartei könnten der Türkei auch ausländische Investitionen sichern. Investoren könnten dadurch die Verunsicherung genommen werden (mehr hier).

Merkel kritisiert Erdoğan – hier.

Die Unnachgiebigkeit Erdoğans – hier.

 

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