Morddrohung: Liberal-islamischer Bund fordert Redefreiheit für Hamed Abdel-Samad

Der Liberal-Islamische Bund (LIB) stellt sich schützend vor den Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad. Radikale Islamisten aus Ägypten sollen zum Mord gegen ihn aufgerufen haben. Begründung: Abdel-Samad sei ein „Häretiker“.

„Mit Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass es in Ägypten öffentliche Mordaufrufe gegen den deutsch-ägyptischen Publizisten und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad gibt, weil dieser sich angeblich herablassend über den Islam und seinen Propheten geäußert habe“, heißt es in einer Mitteilung des Liberal-islamischen Bundes e.V. (LIB) an diesem Dienstag.

Ägyptische Muslimbrüder fordern Tod von Abdel-Samad

Assem Abdel Maged, ein führendes Mitglied der radikalen ägyptischen Gruppe Al-Gamaa Al-Islamija, und der Salafist Mahmud Schaaban hatten den deutsch-ägyptischen Politologen in einer Sendung des TV-Senders Al-Hafes zum „Ungläubigen“ erklärt und seinen Tod gefordert. Abdel-Samed soll in der vergangenen Woche im Rahmen eines Vortrags der„Säkularen Bewegung“ in Kairo die Muslimbrüder in Ägypten für die Ausbreitung des „islamischen Faschismus“ verantwortlich gemacht haben (mehr hier).

„Die Spuren [des islamischen Faschismus] reichen zurück in die Zeit der Eroberung Mekkas durch die Muslime. Sie zerstörten alle heidnischen Götzenbilder“, zitiert Ahram Online den Deutsch-Ägypter. Vor der Eroberung Mekkas, habe der Islam in Medina religiöse Pluralität toleriert. „Euch eure Religion und mir meine Religion sagten die Muslime damals“, so der Sohn eines ägyptischen Imams, der einem breiten deutschen Publikum an der Seite von Henryk M. Broder in der Fernsehserie „Entweder Broder – Die Deutschland-Safari“ bekannt wurde.

Meinungsfreiheit ist „unantastbar“

Der LIB sagt, dass Abdel-Samad sich selbst „sehr gerne“ als Häretiker ansehe. Solche Menschen brauche der Islam. Er möge zwar provokativ sein, aber er habe das Recht dazu, seine Meinung angstfrei zu äußern. Diese Meinungsfreiheit sei „unantastbar“. „Wir erwarten von Präsident Mursi und Bundeskanzlerin Merkel ein eindeutiges Signal, dass gewisse Standards unverhandelbar sind, und dazu gehört der Schutz der freien Meinung im weltanschaulichen Diskurs“, so der LIB.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung unterdessen berichtet, soll der 41-Jährige, der bereits seit seinem 23. Lebensjahr in Deutschland lebt, inzwischen abgetaucht sein. Sein Verlag Droemer Knaur in München, habe mitgeteilt, dass er den Mordaufruf ernst nehme und derzeit untergetaucht sei. Die Bundesregierung kritisierte den Mordaufruf derweil scharf. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, forderte zudem, dass Kairo die Sicherheit des Mitglieds der Deutschen Islamkonferenz des Bundesinnenministeriums (mehr hier) gewährleisten müsse.

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