Proteste in der Türkei: Verhaftete Anwälte wieder auf freiem Fuß

Die am vergangenen Dienstag bei der Erstürmung eines Gerichtsgebäudes in Istanbul festgenommenen Anwälte sind wieder auf freiem Fuß. Rund 100 Kollegen machten sich vor der Polizeistation für ihre Entlassung stark. Mittlerweile scheint sich auch die Lage auf dem Taksim Platz beruhigt zu haben.

Es war bereits der dritte derartige Protest von Anwälten, um die Demonstranten auf dem Taksim Platz zu unterstützen. Doch diesmal schritt die Polizei mit voller Härte ein. Im Rahmen einer Razzia im Istanbuler Gerichtsgebäude von Çağlayan waren am Dienstag insgesamt 49 Rechtsanwälte von türkischen Sicherheitskräften festgenommen worden (mehr hier). Mittlerweile, so berichtet die türkische Hürriyet, seien alle Juristen wieder auf freiem Fuß, nachdem rund 100 Kollegen in Richtung Polizeistation marschiert waren, um ihre Entlassung einzufordern.

Verhaftung von Juristen: Was für eine Demokratie?

Wie die Anwaltskammer von Ankara erklärte, seien die Anwälte, übrigens allesamt Mitglieder der Anwaltskammer Istanbul, festgenommen worden, als sie gerade eine Presseerklärung am Gerichtsgebäude abgaben. Bei der Verhaftung soll es zu Tumulten zwischen den Juristen und Beamten gekommen sein, berichtet Habertürk. „Die Inhaftierung der Anwälte vor dem Gerichtsgebäude mit Gewalt wirft die Frage auf, in welcher Art von demokratischen Regime wir eigentlich leben“, so die Vereinigung in einer Erklärung an die Hürriyet.

Die Anwaltskammer fragt zudem, wer nun in diesem Land, in dem sogar Anwälte verhaftet werden, Sicherheit vermitteln und das Eigentum der Leute schützen könne. Die Ereignisse, so kündigt sie an, werde man jedenfalls intensiv verfolgen. Unterdessen verurteilte auch die türkische Niederlassung von Amnesty International die massive Polizeigewalt, die nun erneut auf dem Taksim Platz losgebrochen ist (mehr hier). Via Twitter ließ die Menschenrechtsorganisation wissen: „Wir verurteilen die beschämende und brutale Polizeigewalt. Wir haben unsere Forderung nach Gerechtigkeit bei einem Treffen mit dem Istanbuler Gouverneur wiederholt.“

Weißes Haus tief besorgt über Vorgänge in der Türkei

In der vergangenen Nacht war es auf dem Istanbuler Taksim Platz zu den bislang heftigsten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. Mit Wasserwerfern und Tränengas räumten die Sicherheitskräfte im Morgengrauen den Platz. Mittlerweile hat sich auch das Weiße Haus zu Wort gemeldet. Präsidialamtssprecherin Caitlin Hayden appellierte, dass der Konflikt im Dialog gelöst werden müsse. Es werde zudem erwartet, dass fundamentale Freiheitsrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung und auf Versammlungsfreiheit von der Türkei beachtet würden.

Aktuell scheint die Lage auf dem Taksim Platz ruhig zu sein.

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