Nah am Geschehen: RTÜK straft Berichterstattung über Proteste ab

Der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) hat eine Reihe von türkischen TV-Sendern für ihre Berichterstattung über die seit 15 Tagen andauernden Proteste abgestraft. Erneut argumentiert man hier mit potentiellen Schäden für die Jugend.

Der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) hat die türkischen TV-Sender Halk TV, Ulusal TV, Cem TV und EM TV mit einer Geldstrafe belegt. Der Vorwurf von Seiten der TV-Aufsicht: Die Sender hätten gegen die Sendeprinzipien verstoßen und mit ihrem Programm „die geistige und moralische Entwicklung junger Menschen gefährdet“. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Pro Sender, so heißt es hierzu von Seiten der Milliyet, sollen rund 1000 Euro fällig werden.

Proteste: Große Medienhäuser halten sich zurück

Gerade Halk TV habe sich in jüngster Zeit zunehmender Beliebtheit erfreut. Immerhin handle es sich um einen der wenigen TV-Sender, die 24 Stunden live über die Proteste in der Türkei berichtet hätten, während sich die großen Medienkonzerne des Landes auffallend zurückgehalten haben.

Bereits zuvor habe Halk TV von RTÜK eine Verwarnung wegen eines Videoclips, kassiert, der den türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan beleidigt haben soll. Warum die TV-Aufsicht gerade diesen Sender besonders im Visier hat, erklärt sich die Hürriyet zudem mit einer, wenn auch nicht offiziellen Verbindung zur Oppositionspartei CHP. Unter dem Parteivorsitz von Deniz Baykal sei man finanziell unterstützt worden. Erst im Mai 2010 mit dem Wechsel zu Kemal Kılıçdaroğlu sei das beschnitten worden.

RTÜK argumentiert mit Religion und Jugend

Zuletzt sorgte RTÜK mit einer Rüge für CNN Türk für Aufsehen. So hatte der Rat Ende Dezember vergangenen Jahres entschieden, dass der Prophet Mohammed während einer Sendung am 15. Oktober, in der der Journalist Sevan Nişanyan zu Gast gewesen war, beleidigt worden sei. Nach Ansicht des RTÜK seien mit Nişanyans Aussagen, dass etwa Gläubige auf dem falschen Weg seien, die „Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten“ worden. Sie seien „beleidigend und schädlich“ für die Gesellschaft und deren Werte (mehr hier).

Nur wenige Tage zuvor sorgte eine vom Rat verhängte Geldstrafe gegen den türkischen Privatsender CNBC-E für Aufruhr. Dieser musste  knapp 23.000 Euro zahlen, weil er eine Halloween-Folge der bekannten US-Serie „Die Simpsons“ gezeigt hatte (mehr hier).

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