Pläne 2020 in Gefahr? Proteste können Olympia-Komitee nicht beirren

Die Anti-Regierungsproteste werden „keinen Einfluss“ auf die Fähigkeiten Istanbuls haben, die Olympischen Spiele 2020 auszutragen. Davon ist der türkische Ausschreibungausschuss überzeugt. Zuvor hatte sich Istanbuls Bürgermeister Kadir Topbaş zu Wort gemeldet. Er fürchtete, dass man in Erklärungsnot gegenüber dem Internationalen Olympische Komitee (IOC) geraten könnte.

Die Bilder und Videos, die sich seit mehr als zwei Wochen aus der Türkei in die gesamte Welt verbreiten, haben dem Image des Landes schweren Schaden zugefügt. Polizeieinsätze mit Wasserwerfern und Tränengas, Tausende Verletzte: Auch für die fünfte Olympia-Bewerbung Istanbuls eine immense Herausforderung. Sorgen, dass sich die Proteste jedoch negativ auf die Bewerbung der Stadt für die Olympischen Spiele 2020 auswirken könnten, wurden jetzt allerdings vom türkischen Ausschreibungausschuss zurückgewiesen. Demnach sei die Rückmeldung der IOC-Mitglieder und anderer Olympia-Offizieller positiv ausgefallen. Man habe Verständnis, so die türkische Zaman.

Olympia-Konzept ist in Absprache entstanden

„Die Mehrheit der Leute, mit denen wir gesprochen haben sind sich bewusst, dass 2020 noch sieben Jahre entfernt ist“, heißt es hierzu in einer entsprechenden Erklärung. Trotz der anhaltenden Proteste sei man in der Lage, alle notwendigen Baumaßnahmen durchzuführen. Die Situation hätte keinen Einfluss auf die Fähigkeit der Stadt, das Konzept für die Olympischen Spiele tatsächlich umzusetzen. Das Projekt selbst sei zudem in Absprache mit Umweltgruppen und Nichtregierungsorganisationen entwickelt worden und man werde sich auch weiterhin gemeinsam beraten. Groß sei zudem die Unterstützung der Spiele durch die türkische Öffentlichkeit. Demnach hätten sich in einer aktuellen IOC-Umfrage, die allerdings Monate vor den Unruhen durchgeführt wurde, 83 Prozent dafür ausgesprochen. Unter den Istanbulern war die Bereitschaft sogar noch höher (mehr hier).

Anders schätzt die Lage hingegen der Istanbuler Bürgermeister ein. „Als Bürgermeister von Istanbul stimmt mich die Tatsache, dass die ganze Welt diese Szenen mitansah, sehr traurig. Wie werden wir das erklären?“, so Kadir Topbaş wenige Tage nach Beginn der Proteste. Wie, fragte das Stadtoberhaupt in einem Interview mit NTV, könne die Stadt nun noch die Spiele für sich beanspruchen? (mehr hier).

FIFA unbeeindruckt von den türkischen Protesten

Unbeeindruckt von den Ausschreitungen zeigt man sich unterdessen bei der FIFA. Wie FIFA-Präsident Sepp Blatter in dieser Woche bekannt gab, würden die anstehenden U20-Weltmeisterschaften in der Türkei nicht abgesagt. „Ich bin mir sicher, dass nichts passieren wird“, so Blatter während eines offiziellen Besuches in Serbien. Vielmehr sei das Turnier „eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass Fußball die Menschen zusammenbringen kann. Wir werden dort bleiben und ich bin mir sicher, dass die politischen Behörden in der Türkei sich dessen bewusst sind.“ (mehr hier).

İstanbul bewirbt sich bereits zum fünften Mal um die Olympischen Spiele. Aktuell konkurriert die Bosporus-Metropole gegen Madrid und Tokio. Das IOC wird das Gastgeberstadt am 7. September dieses Jahres in Buenos Aires, Argentinien, bestimmen. Am kommenden Wochenende werden die Kandidaten sich ein weiteres Mal vor der Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees (ANOC) in Lausanne, Schweiz, präsentieren.

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