Eskalation in der Türkei: Aktienmarkt steht unruhige Woche bevor

Die dramatischen Szenen des vergangenen Wochenendes werden sich aller Voraussicht nach auch auf die Stimmung am Aktienmarkt auswirken. Erst am vergangenen Freitag hatte sich der Markt ein wenig erholt. Die Eskalation der Proteste gegen die AKP-Regierung und das massive Einschreiten der Polizei wirken dem nun wieder entgegen.

Die heftigen Proteste in Istanbul und zahlreichen anderen Städten in der gesamten Türkei sind auch an der Istanbuler Börse nicht spurlos vorübergezogen (mehr hier). Bis zum vergangenen Freitag drückten die politischen Unruhen im Land türkische Aktien um bis zu 20 Prozent – und das seit 31. Mai dieses Jahres. Dann, am vergangenen Freitag, legten die Papiere wieder etwas zu und wurden 3,42 Prozent höher gehandelt. Das kürzliche Drei-Monats-Tief des Istanbuler Aktienindex von 79,04 Punkten war am Nachmittag mit 79,100 Punkten überwunden.

Nach Ansicht von Selim Işıklar, Stratege bei Info Investments, soll diese Entspannung allerdings nur kurz währen. Nachdem der Markt zunächst positiv auf die Referendum-Pläne des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan (mehr hier) reagiert habe, sieht das nach dem vergangenen Wochenende schon wieder völlig anders aus: „Der Aktienmarkt wird am Montag mit einem starken Rückgang öffnen, während der Dollar-Kurs steigen wird“, so seine Prognose im Gespräch mit der türkischen Zeitung Zaman. Auch die Zinsen würden in Folge der jüngsten Zwischenfälle wieder nach oben klettern. Die kürzliche Erholung ist damit seiner Ansicht nach schon wieder obsolet.

Moody’s warnt vor andauernden Protesten

Bereits zu Beginn der vergangenen Woche äußerte die Ratingagentur Moody’s Besorgnis über die anhaltenden Proteste. In einer Mitteilung warnten die Analysten, je länger diese anhielten, desto stärker würde das auch ausländische Investoren beunruhigen. In einem Marktbericht vom 10. Juni ist jedoch nur von „gedämpften Auswirkungen“ die Rede. Nur wenige Tage zuvor gab sich Fitch noch weitestgehend gelassen (mehr hier).

Doch nicht nur an der Börse, auch direkt am Ort des Geschehens ist die Stimmung gedrückt. So seien zahlreiche Ladenbesitzer, die ihre Geschäfte in der Nähe von Protestgebieten hätten, derzeit nicht gut auf die Demonstranten zu sprechen. Diese würden die Leute, so das Blatt weiter, für die entstandenen Schäden verantwortlich machen. Ein Reisebüro-Inhaber in der Nähe des Taksim Platzes kündigte gegenüber dem Blatt sogar an, dass er gemeinsam mit anderen Kollegen eine Klage einreichen werde. Rund 200.000 Dollar, so gibt er an, hätten sie allesamt durch die anhaltenden Proteste verloren. Ähnliche Beschwerden hätte es auch von Café-Besitzern, Taxifahrern und Kiosk-Inhabern gegeben.

Tourismussektor bereits in Mitleidenschaft gezogen

Die seit Ende Mai andauernden Proteste in der Türkei haben unterdessen auch den Tourismussektor in Mitleidenschaft gezogen. Bereits in den ersten Juni-Tagen verzeichnete Istanbul reihenweise Stornierungen. Auf Nachfrage der DTN bestätigte auch ein Rezeptionist in der Nähe des Taksim Platzes, dass er den Kunden des Hauses zum Umbuchen rate. Auch das Auswärtige Amt sorgte sich um seine Bürger. „Reisende werden gebeten, sich von Demonstrationen und Menschenansammlungen fernzuhalten und Vorsicht walten zu lassen“, hieß es hierzu in einer entsprechenden Mitteilung (mehr hier). Dass sich die Proteste weiter ausweiten, und sogar in Ferienhochburgen drängen könnten, befürchtete in jener Zeit auch der ADAC.

#occupygezi: Solidaritätsbekundungen in Berlin

Die Szenen von Samstagnacht mit dem erneuten Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten in Istanbul hat am vergangenen Sonntag auch viele türkischstämmige Berliner auf die Straßen getrieben. Zahlreich protestieren sie, vornehmlich organisiert über das Internet mit Hilfe des Hashtags #occupygezi, gegen die Brutalität der Regierung in der Türkei.

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