Proteste in der Türkei: Polizei führt Razzien in Istanbul und Ankara durch

Nach einer verhältnismäßig ruhigen Nacht hat die türkische Polizei am frühen Dienstagmorgen Hausdurchsuchungen in Istanbul und Ankara durchgeführt. Betroffen waren nicht nur Privathaushalte, sondern auch zwei Presseeinrichtungen. Den Verhafteten wird vorgeworfen, gewalttätige Proteste zu organisieren.

Anti-Terror-Einheiten der türkischen Polizei haben an diesem Dienstagmorgen bei Razzien in Istanbul und Ankara zahlreiche Personen in ihren Häusern festgenommen. Die Durchsuchungen sollen im Zuge der seit fast drei Wochen andauernden Proteste durchgeführt worden sein.

Von der Polizeiaktion betroffen, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, waren auch der Sitz der türkischen Zeitung Atılım sowie der Nachrichtenagentur Etkin in Istanbul. Nach einem Gesundheitscheck seien die Festgenommenen auf eine Polizeistation in der Vatan Straße gebracht worden. Schon Anfang Juni wurden fast 1000 Verhaftete gezählt (mehr hier).

Unterdessen hat sich auch der BDP-Abgeordnete Sırrı Süreyya über Twitter zu Wort gemeldet (mehr hier). Er berichtet ebenfalls von rund 70 verhafteten Personen an diesem Dienstagmorgen. Unter ihnen soll sich seinen Angaben zufolge auch Alp Altınörs, Mitglied der Taksim Solidaritätsinitiative und der Sozialistischen Plattform der Unterdrückten (ESP), befinden.

Darüber hinaus, so das Blatt weiter, seien in Istanbul 193 Personen festgenommen worden. 22 von ihnen werden demnach beschuldigt, „gewalttätige Proteste zu organisieren und die Leute dazu aufzufordern, an illegalen Demonstrationen teilzunehmen“. Jene würden nun für volle vier Tage befragt werden.

In Ankara durchsuchte die Polizei nach Angaben der Nachrichtenagentur Doğan insgesamt 26 Adressen. Auch hier habe es Haftbefehle gegen Personen gegeben, die die Demonstrationen unterstützen.

Erst am Montag hatte der stellvertretende türkische Premier Bülent Arınç eine härtere Gangart gegen die Demonstranten angekündigt. Erstmals im Verlauf der Proteste brachte der Politiker das Militär als Unterstützung für Polizei und Gendarmerie ins Spiel (mehr hier).

Anders als in der Nacht zum Montag soll die Nacht in Istanbul diesmal relativ ruhig verlaufen sein. So habe es auf dem Taksim Platz einzelne Festnahmen gegeben, während es andernorts erneut zum Einsatz von Tränengas kam. Auseinandersetzungen soll es auch in der Hauptstadt gegeben haben.

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