„Taksim ist überall“: Schwere Proteste in Eskişehir während der ganzen Nacht

Bis zum Morgengrauen ließen sich Demonstranten in der zentralanatolischen Provinz Eskişehir nicht vertreiben. Trotz erneuten Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern harrten sie vor einem Einkaufszentrum aus. Das Vorgehen der Polizei hat mittlerweile auch die Stimmung der Deutschen kippen lassen. Die Mehrheit spricht sich derzeit gegen einen EU-Beitritt aus.

Die zentralanatolische Provinz Eskişehir hat eine unruhige Nacht hinter sich. Fast 5000 Demonstranten gingen hier auf die Straße. Erneut schritt die Polizei mit Gasbomben und Wasserwerfern ein. Am Ende wurden drei Demonstranten, ein Journalist und ein Polizist verletzt. Die türkische Ärztevereinigung dokumentiert die Zahl der Verletzten (mehr hier).

Proteste bis um fünf Uhr am Morgen

Mit Rufen wie „Taksim ist überall, Widerstand ist überall“ oder „Regierung trete zurück“ machten die Menschenmengen vor einem Einkaufszentrum namens Espark im Stadtteil Eskibağlar ihrem Unmut Luft. Den Sicherheitskräften, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, sei es gelungen, einen Großteil der Demonstranten zu zerstreuen. 500 von ihnen ließen sich jedoch nicht vertreiben, harrten im Einkaufszentrum aus und blockierten den Weg davor. Die Auseinandersetzungen, so das Blatt weiter, dauerten bis fünf Uhr an diesem Mittwochmorgen.

Proteste gab es in der Provinz Eskişehir allerdings nicht zum ersten Mal. Vielmehr waren die Menschen in Zentralanatolien quasi von Beginn an mit dabei. Viele folgen seither der Occupy Taksim-Bewegung.

Vorgehen der Regierung hat Türkei-Image geschadet

Während die Protestierenden in der Türkei sich nun seit fast vier Wochen gegen die Regierung Erdoğan stemmen, wächst auch in Deutschland der Unmut. Wie eine aktuelle Stern-Umfrage ergab, hat das gewaltsame Vorgehen der Regierung dem Ansehen der Türkei schwer geschadet. Mittlerweile, so das Blatt, sind „zwei Drittel der Deutschen gegen einen EU-Beitritt“.

Aktuell würden nur noch 29 Prozent eine EU-Mitgliedschaft der Türkei befürworten. 66 Prozent votierten dagegen. Vor einigen Jahren habe das noch ganz anders ausgesehen. Im September 2005 waren 43 Prozent dafür, im April 2007 immerhin noch 39 Prozent. Gelitten hätte demnach auch das Image als Urlaubsland. 52 Prozent seien derzeit der Meinung, dass man hier nicht bedenkenlos Ferien machen könne. Sowohl der ADAC als auch das Auswärtige Amt raten wachsam zu sein (mehr hier).

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