„Standing Man“: Aktion von Erdem Gündüz setzt sich fort

Der junge türkische Künstler Erdem Gündüz hat mit seiner stummen Protest-Aktion am vergangenen Montag offenbar nachhaltig inspiriert. Auch am Dienstag haben es ihm Tausende gleichgetan. Und das nicht nur auf dem Taksim Platz.

Diesmal war von dem türkischen Künstler Erdem Gündüz nichts zu sehen. Stellvertretend für ihn war jedoch eine Schaufensterpuppe auf dem Taksim Platz aufgestellt worden. Die Aktion des „Standing Man“ (duran adam), die sich rasant über die Sozialen Netzwerke verbreitete hatte, wirkte auch am Dienstag nach und inspirierte erneut zur Nachahmung.

Nachahmer in der gesamten Türkei

Mit Gündüz und seiner regungslosen Form des Widerstandes scheint eine neue Protestwelle geboren worden zu sein. Solidaritätsbekundungen auf die gleiche, stumme Art, gab es schon in der Nacht von Montag auf Dienstag. Und auch am Tag danach, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, riss die Begeisterung nicht ab.

Gegen 20 Uhr war für die Demonstranten, es sollen sogar Tausende gewesen sein, die Zeit gekommen, still zu verharren. Wo auch immer sie gerade standen, ob auf dem Taksim Platz oder sonstwo in der Türkei, wie für Gündüz tags zuvor, so ging auch für sie ab sofort nichts mehr. Polizisten, so berichtet die tagesschau, hätten die Szenerie auch diesmal misstrauisch beäugt, seien aber anders als in der Nacht zuvor nicht eingeschritten. Das hatte, so die Hürriyet, Innenminister Muammer Güler zuvor zugesichert. Eine Intervention würde es demnach erst geben, wenn die Proteste, die Erdoğan als Verschwörung gegen die Türkei unter ausländischer Beteiligung bezeichnet, eine Bedrohung für die öffentliche Ordnung darstellen würden.

Gezi Park geräumt: Demonstranten suchen neue Orte

Am Dienstag hatte die Polizei nun auch den Gezi Park abgeriegelt. Was der türkische Premier jedoch als „Sieg der Demokratie“ feiert (mehr hier), kann die Menschen nicht aufhalten. Sie wichen darauf hin in zahlreiche andere kleine Parks in ganz Istanbul aus, um dort über die Ereignisse zu diskutieren. So seien zum Beispiel der Yoğurtçu Park in Kadıköy oder auch der Abbasağa Park in Beşiktaş zu neuen Zentren des Protests geworden. Während man dort diskutierte, hätten die Leute im Abbasağa Park den stillen Protest vorgezogen.

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