Stellvertretender Premier Arınç: Keine Einwände gegen „Standing Man“-Proteste

Die Aktion des türkischen Künstlers Erdem Gündüz ist zu einem Massenphänomen avanciert, das nun erstmals auch von der türkischen Regierung kommentiert wird. Gegen diese Form des Protests hat auch der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arınç nichts einzuwenden. Die Taksim-Solidaritätsgruppe sorgt sich unterdessen ob der vielen Verhaftungen in den vergangenen Tagen.

Der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arınç hat die stillen Proteste, die sich seit vergangenen Montagabend durchs gesamte Land ziehen, als „friedlich“ bezeichnet. Die Aktion, die von dem türkischen Künstler Erdem Gündüz ausgegangen war, hat auch am Tag danach Tausende Menschen in der Türkei inspiriert (mehr hier). Obschon die Worte versöhnlich klingen, kam der Politiker nicht ohne eine „Spitze“ aus und warnte davor, dass das Stehen für längere Zeit zu gesundheitlichen Problemen führen könne.

Erstes Regierungskommentar zu den stillen Protesten

„Das ist kein gewalttätiger Protest. (…) Es ist eine friedliche Art des Protests. Es nichts, was verurteilt werden müsste“, zitiert die türkische Zeitung Zaman Bülent Arınç vor einem AKP-Treffen an diesem Mittwoch. Demnach würde er alle Arten von Protest, die im Einklang mit dem Gesetz stünden, schätzen.

Die Aussagen des stellvertretenden türkischen Premiers war das erste Kommentar zu der neuen Protestwelle, die ihren Anfang auf dem Istanbuler Taksim Platz genommen hatte (mehr hier). Die stillen Proteste stehen derzeit im krassen Gegensatz zu den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei am vergangenen Wochenende, die teils zu den heftigsten Auseinandersetzungenwährend der gesamten drei Wochen zählten (mehr hier).

Regierung macht „Hexenjagd“ auf Demonstranten

In der Zwischenzeit hat auch die Taksim-Solidaritätsgruppe, so berichtet das Blatt weiter, ihren Unmut über die jüngsten Ereignisse zum Ausdruck gebracht. Sie verurteilen die „Hexenjagd“, die die türkische Regierung nach der Räumung des Gezi Parks veranstalte (mehr hier) und forderte die Freilassung von inhaftierten Demonstranten, die in den vergangenen Tagen festgenommen wurden. Vielmehr sollten diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die für die Brutalität der Polizei gegen Demonstranten verantwortlich seien.

Mittlerweile haben die türkischen Medien weitere Details über Ideengeber Erdem Gündüz in Erfahrung gebracht. Demnach soll er bereits 2007 in Erscheinung getreten sein, als er gegen das Kopftuchverbot an Universitäten (mehr hier) protestierte, indem er mit einem solchen selbst in die Uni kam.

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