Schutz für Flüchtlinge: Türkei gehört zu den zehn wichtigsten Zufluchtsorten der Welt

Innerhalb eines Jahres, so das UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge, hat sich die Türkei von Rang 59 zum zehntwichtigsten Flüchtlings-Gastgeberland entwickelt. „In keinem anderen Land war der Wandel so dramatisch.“ Diese Last, so auch UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres, kann nur gemeinsam geschultert werden.

Die steigende Zahl der syrischen Flüchtlinge hat die Türkei im Ranking der wichtigsten Zufluchtsorte der Welt 2012 von Position 59 auf Platz zehn katapultiert. Das geht aus einer Untersuchung des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge hervor.

In Kombination mit Flüchtlingen aus anderen Gegenden betrug die Gesamtzahl der Schutzsuchenden im vergangenen Jahr 267.100.  In keinem anderen Land der Welt, so der Bericht, habe sich die Lage derart dramatisch verändert. Kriege und andere Krisen hätten im vergangenen Jahr alle 4,1 Sekunden einen Menschen aus seiner Heimat flüchten lassen. Damit sei die Zahl derjenigen, die gezwungen waren, ihr Land zu verlassen, auf einen 20-Jahres-Höchstand geklettert und betrage insgesamt 45,2 Millionen.

Konflikte in Ländern wie Syrien, Afghanistan und Somalia haben 2012 Millionen Flüchtlinge hervorgebracht. Wie die jährlichen Zahlen zeigen würden, seien 1,1 Millionen Menschen über internationale Grenzen hinweg geflohen, während 6,5 Millionen innerhalb ihrer Heimat vertrieben wurden.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Afghanistan

„Krieg ist der Hauptgrund für diese sehr hohe Zahl von Flüchtlingen und intern Vertriebenen. 55 Prozent gehen auf das Konto der gut bekannten Situationen in Afghanistan, Somalia, Irak, Sudan und Syrien“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres. Noch immer kämen die meisten Flüchtlinge aus Afghanistan. Seit 32 Jahren habe sich die Situation dort nicht verändert. Weltweit sei mittlerweile jeder vierte Flüchtling Afghane.

Aufgrund der Fülle von Krisen, so Guterres weiter, sei die Gesamtzahl der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen derzeit auf einem Niveau, dass man zuletzt 1994 so gesehen hätte. Dem Jahr, in dem der Völkermord in Ruanda und das Blutvergießen im ehemaligen Jugoslawien in aller Munde gewesen waren.

Hauptanlaufstelle für Flüchtlinge ist Pakistan

Mit Ausnahme der Türkei gehörten den Top Ten der zehn wichtigsten Flüchtlingsländer allesamt Staaten an, die schon 2011 in dieser Position waren. Die Vereinigten Staaten finden sich nicht mehr unter den ersten zehn. Gemeinsam bieten diese Länder 5,8 Millionen Menschen Zuflucht. Das sind 55 Prozent der weltweiten Flüchtlinge. Auch 2012 blieb Pakistan die wichtigste Anlaufstelle. Dort leben 1,6 Millionen Flüchtlinge, vor allem aus Afghanistan. Auf Pakistan folgt der Iran mit 868.200 Vertriebenen und Deutschland mit 589.700. 46 Prozent der weltweiten Flüchtlinge sind unter 18 Jahren.

Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge erklärten, dass im Verlauf des vergangenen Jahres 307.700 syrische Flüchtlinge ins Nachbarland Türkei strömten und dort den vorübergehenden Schutz der Regierung erhielten. Auf der anderen Seite seien 68.600 Syrer in ihre Heimat zurückgekehrt. Bei nicht wenigen ist das jedoch ungewiss (mehr hier). Entsprechend hielten sich Ende 2012 248.500 Syrer in der Türkei auf.

Syrische Flüchtlinge könnte 3,5 Mio. erreichen

Unterdessen warnt das UNHCR, dass die Zahl der syrischen Flüchtlinge bis zum Ende dieses Jahres auf  3,5 Millionen ansteigen könnte. Erst kürzlich bestätigte die USA den Einsatz von C-Waffen (mehr hier). Auch die Zahl der im Land vertriebenen, so die Befürchtung, könnte auf 4,25 Millionen klettern. Die massiven Menschenfluten haben die syrischen Nachbarstaaten teils hart an die Grenzen ihrer Kapazitäten gebracht. Auch Guterres fordert nun die internationale Gemeinschaft auf, diese Last mitzuschultern.

Hier geht’s zum Bericht.

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