Schutz vor dem Staat: RedHack übernimmt Verantwortung für alle Protest-Tweets

Die türkische Hacker-Gruppe RedHack hat die Verantwortung für alle Tweets, die über die Taksim Gezi Park Proteste geschrieben wurden, übernommen. Hintergrund ist die Ankündigung der Regierung, dass gerade dieses Thema nun verstärkt untersucht würde.

Die türkische Hackergruppe stellt sich schützend vor die türkischen Bürger und übernimmt die Verantwortung für Twitter-Nachrichten, die in Verbindung mit den OccupyGezi-Protesten stehen (mehr hier).

„Die AKP führt Untersuchungen in den sozialen Medien durch. Alle Twitter-Nachrichten wurden von uns geschaltet. Zu diesem Zweck haben wir zahlreiche Computer hacken müssen. Finger weg von undschuldigen Menschen. Wir sind hier“, verkünden RedHack auf Twitter.

Neuer Hashtag: #redhacktarafındanhacklendik

Quasi umgehend, so schreibt die türkische Hürriyet, sei die Nachricht von den Usern aufgegriffen worden. Der Hashtag  #redhacktarafındanhacklendik (#wewerehackedbyredhack) verbreitete sich in Windeseile. Erst vor kurzem hatte die türkische Regierung eine Untersuchung der rund fünf Millionen Tweets über die Proteste einschließlich der Hashtags #occupygezi, #direngeziparkı  und #direngezi eingeleitet. RedHack wiederum gab den Usern bereits hier Tipps, wie sie eben nicht in die Fänge der Justiz geraten, nachdem am Anfang Juni gleich 29 Personen deswegen verhaftet wurden (mehr hier). Falls diese nicht funktionierten, so könnten die User der Polizei sagen, dass ihr Konto von Redhack gehackt wurde. Die Gruppe würde die Schuld gerne auf sich nehmen, so die Aktivisten ebenfalls via Twitter.

Der türkische Verkehrsminister Binali Yıldırım hatte zuvor angekündigt, dass seine Regierung gegen „Cyber-Kriminalität“ vorgehen werde. Ziel sei demnach aber nicht die Regulierung der Sozialen Medien, sondern die Bekämpfung von Kriminalität. „Eine Straftat ist eine Straftat. Auch wenn sie in den Sozialen Medien begangen wird“, so Yıldırım .

Unterdessen stellte auch der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arınç heraus, dass die Menschen zwar frei wären, über die Sozialen Medien zu kommunizieren, aber wenn das dazu verwendet würde, um Kriminalität und Gewalt zu fördern, dann sollten abschreckende Maßnahmen ergriffen werden.

Türkei versucht Druck auf Twitter auszuüben

Bereits Ende letzter Woche wurde bekannt, dass die Türkei Druck auf Twitter ausübt. Nachdem sich der Microblogging-Dienst auf Grund fehlender türkischer Regeln zum Datenschutz geweigert habe, Nutzerdaten im Kontext der Gezi-Proteste an die türkischen Behörden weiterzugeben, habe sich, so berichtete heise, schließlich das Verkehrsministerium eingeschaltet und die rechtlichen Grundlagen des Sozialen Netzwerks überprüft. Demnach arbeite Twitter nach Ansicht des Ministeriums „ohne rechtliche Grundlage in der Türkei“. Daraus würden sich nicht nur Probleme mit der Informationsweitergabe, sondern auch mit den Steuern ergeben. Das Ministerium riet dem Unternehmen an, wie Facebook und Youtube türkische Niederlassungen zu etablieren (mehr hier).

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