Türkische TV-Aufsicht: Erneut Sender wegen Protest-Berichterstattung abgestraft

Der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) hat erneut zwei türkische TV-Sender im Zuge ihrer Protestberichterstattung abgemahnt. Stein des Anstoßes diesmal: Die vermeintlich vulgäre Sprache.

Der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) hat die beiden türkischen TV-Sender Ulusal TV und Beyaz TV mit einer Geldstrafe wegen ihrer Protest-Berichterstattung belegt. Insgesamt geht es um eine Summe von 23.772 Türkischen Lira, umgerechnet 9.295 Euro, bzw. mehr als 11.000 Türkische Lira pro Sendeanstalt. Diese sollen mehrere Live-Interviews ausgestrahlt haben, in denen die Sprecher eine vulgäre Sprache verwendet hätten.

Das Filmmaterial, das Ulusal TV erneut in Schwierigkeiten gebracht habe, so die türkische Zeitung Hürriyet, war im Zuge der Gezi Park Proteste ausgestrahlt worden. Ein Demonstrant wurde vom Sender befragt, als er gerade Schutz in einem Hotel gesucht hatte. Dieser, so heißt es weiter, habe seinem Zorn über den türkischen Premier Erdoğan freien Lauf gelassen und gesagt: „Was haben unsere Kinder getan? Dieser Premier, dieser verdammte Premier, wo bist du?“

Beyaz TV wurde wegen eines ähnlichen Zwischenfalls mit einer Geldbuße belegt. Während einer AKP-Kundgebung bekundet sie ihre Unterstützung für den Premier, allerdings ebenfalls auf vulgäre Art und Weise.

Erst Ende vergangenern Woche sorgte RTÜK für einen Eklat, als sie Hayat TV schließen ließ. Als Begründung wurde angeführt, dass der Sender illegal agiere. Doch Kritiker sahen darin das Bestreben, regierungskritische Medien mundtot zu machen (mehr hier). Erdoğan hat in der Vergangenheit bereits mehrmals versucht, Einfluss auf die Berichterstattung in der Türkei zu nehmen (mehr hier). Nur Tage zuvor hatte RTÜK die vier türkischen Sender Halk TV, Ulusal TV, Cem TV und EM TV für ihre Protest-Berichterstattung mit je 1000 Euro Bußgeld abgestraft. Der Vorwurf von Seiten der TV-Aufsicht: Die Sender hätten gegen die Sendeprinzipien verstoßen und mit ihrem Programm „die geistige und moralische Entwicklung junger Menschen gefährdet“ (mehr hier).

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