Vorschnell in Waiblingen: Tote Türkin versehentlich eingeäschert

Die versehentliche Feuerbestattung einer muslimischen Frau durch die Behörden sorgt derzeit in Baden-Württemberg für Aufsehen. Die Verstorbene lag vermutlich mehrere Wochen tot in ihrer Wohnung. Auf dem Einwohnermeldeamt war sie mit „religionslos“ registriert. Der Tod wurde nicht beim Konsulat gemeldet. Das hat nun Generalkonsul Mustafa Türker Ari auf den Plan gerufen.

Feuerbestattungen sind nach muslimischem Glauben nicht erlaubt. Der Fall einer 1965 geborenen Türkin, die in der Region Stuttgart dennoch versehentlich eingeäschert wurde, hat sich seinen Weg mittlerweile sogar bis in die türkischen Medien gebahnt.

Konkret geht es um einen Todesfall im vergangenen Mai im baden-württembergischen Waiblingen. Dort wurde der Leichnam einer 48-jährigen Frau drei Wochen nach ihrem Tod feuerbestattet. Die Verstorbene, so berichten die Stuttgarter Nachrichten, habe, bevor sie von Angehörigen entdeckt wurde, „vermutlich bereits zwei Wochen tot in ihrer Wohnung“ gelegen. Doch nach ihrem Auffinden wurde der Fall erst richtig kompliziert. Das beauftragte Bestattungsinstitut hätte, so heißt es weiter, Mühe gehabt, mit den Angehörigen, eine Adoptivtochter lebt im nahen Stuttgart, in Kontakt zu treten. Später hätten sich die Verwandten dann gar nicht weiter um die Tote gekümmert. Das Resultat: Der Fall landete bei der Stadtverwaltung, die nun über die Bestattung zu entscheiden hatte.

Zustand der Toten: „dringender Handlungsbedarf“

Doch dort auf dem Ordnungsamt, so erfuhr das Blatt auf Nachfrage beim Ersten Bürgermeister Martin Staab, sei den Mitarbeitern nicht bekannt gewesen, dass die Verstorbene muslimischen Glaubens gewesen sei. „Sie hatte sich im Einwohnermelderegister als religionslos eingetragen“, zitiert das Blatt das Stadtoberhaupt. Wäre ihre Glaube bekannt gewesen, so räumt er ein, wäre auch das Konsulat früher eingeschaltet worden, wie es sonst eben auch üblich wäre. Zudem verweist er auf den Zustand des Leichnams, bei dem auf Grund der langen Liegezeit ohnehin „dringender Handlungsbedarf“ geherrscht hätte. Ergo, die Frau wurde im Krematorium in Schwäbisch Hall eingeäschert.

Mustafa Türker Ari: Standesämter sensibilisieren

Mittlerweile sei jedoch der türkische Generalkonsul Mustafa Türker Ari aktiv geworden. Er moniert, dass die Frau „ohne unser Wissen und Einverständnis feuerbestattet wurde“. In einem Schreiben an mehrere Ministerien verweise er auf „Probleme bei einigen Sterbefällen mit türkischen Staatsangehörigen ohne Familie“. Denn Fälle wie der aktuelle habe es bereits mehrmals gegeben. Nun, so die Stuttgarter Nachrichten, bitte er die Landesregierung die zuständigen Standesämter noch einmal zu sensibilisieren. Werde das Konsualt rechtzeitig informiert, versuche man umgehend, die Angehörigen des Verstorbenen ausfindig zu machen, um zu klären, wie und wo sie eine Familienbestattung durchführen möchten, so Ari. Wie die Nachrichtenagentur Cihan meldet, habe er auch Integrationsministerin Bilkay Öney sowie Innenminister Reinhold Gall über den Fall informiert.

Das räumt nun auch der Bürgermeister ein. Auf dem kleinen Dienstwege hätte man durchaus daran denken können, das Konsulat zu informieren. Auch Versäumnisse gestand er ein: Im Zuge einer ganz neuen Regelung müsse die Verwaltung „unverzüglich das Konsulat einschalten, wenn ein solcher Hinweis auf einen muslimischen Hintergrund auftaucht“.

Im Islam sind Feuerbestattungen genauso wie im Judentum nicht erlaubt. Auch orthodoxe Kirchen lehnen diese Form des Begräbnisses ab. Muslime bestatten ihre Toten nach einer Waschung in ein Tuch gehüllt direkt in der Erde. Die Beerdigung muss binnen 24 Stunden erfolgen.

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