Historiker-Kritik: Erdoğan kennt die osmanische Geschichte nicht

Auch der türkische Historiker İlber Ortaylı empört sich über Erdoğans Baupläne für den Gezi Park. Der Ministerpräsident kenne sich historisch nicht aus, sonst würde er wissen, dass das Istanbuler Swiss Hotel auf Grund und Boden des ehemaligen „orientalischen Kaffeehauses“ aus der osmanischen Zeit steht. Doch für einen Abriss des Swiss Hotels habe Erdoğan offenbar nicht genug Mut und Kraft.

„Es ist erschreckend genug, dass sich die Europäer eine Meinung über das Osmanische Reich bilden, ohne eingehende Kenntnisse vorweisen zu können. Doch wesentlich erschreckender ist die Unwissenheit Recep Tayyip Erdoğans“, sagt der türkische Historiker İlber Ortaylı.

Es sei unsinnig eine osmanische Kaserne auf dem Gezi Park bauen zu wollen. Zumal der Park ein wichtiger Ort für die Bevölkerung ist. Wenn Erdoğan so sehr am osmanischen Erbe hänge, müsse er zuallererst „das Swiss Hotel abreißen und das alte orientalische Kaffeehaus aufbauen lassen. Mal schauen, ob er die Kraft hat das durchzusetzen“, zitiert ihn die Zeitung Radikal mit Verweis auf die SZ.

Existenzängste bei der Jugend

Im Zuge der Massenproteste in der Türkei, hatte sich der türkische Historiker im Gespräch mit der Hürriyet auf die Seite der demonstrierenden türkischen Jugend gestellt.

„Diese Kinder sind nicht wie wir einst waren. Sie kennen die Welt und haben Existenzängste. Umso weltfremder sind diejenigen, die in Opposition zu ihnen stehen. Die Regierung sollte nicht den Fehler machen und diese jungen Menschen geringschätzen. Ich erkenne einen anhaltenden Unzufriedenheit, die jederzeit wieder ausbrechen könnte.“

Premierminister Erdoğan sei schlichtweg umgeben von schlechten Beratern.

Ortaylı war Gastprofessor an 14 internationalen Universitäten und ist Direktor des osmanischen Topkapı-Palast-Museums.

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