Migranten bei der Bundeswehr: Karrieresprungbrett in Uniform – wenn auch mit Haken

Ihren Glauben dürfen Deutsch-Türken bei der Bundeswehr frei leben. Einschränkungen gibt es hier nur beim Tragen eines Kopftuchs. Wie ihren Kameraden, stehen den jungen Leuten sonst alle Türen offen. Das breite Bildungsangebot der Truppe wird genutzt. Ganz ohne Gegenleistungen und Einschränkungen geht es allerdings nicht.

Auf der anderen Seite wird jedoch auch deutlich gemacht, welchen konkreten Nutzen die Truppe nach Ansicht des Blattes aus jungen Migranten ziehen wolle. Bereits seit längerem, so heißt es hier, würden die deutschen Streitkräfte Muslime als „Sprachmittler“ im Rahmen von Kriegsoperationen, zum Beispiel am Hindukusch unter anderem bei der für Propaganda und Spionage zuständigen „Truppe für Operative Information“, einsetzen. Insgesamt erscheint dem Blatt die Darstellung junger Migranten beim Bund als zu positiv, zu überschwänglich, eben als „Propaganda“. Im angesprochenen Arbeitspapier werde das Militär sogar als „wesentlicher Ort“ bezeichnet, „an dem die Integration muslimischer Staatsbürger gefordert und gefördert wird“. Ob das allerdings so funktioniert, daran hat auch ein Kommentator des Beitrags Zweifel: „Integration ist nichts was man mit einer Brechstange erzwingen kann, sondern muss wachsen.“

Doch es gibt durchaus auch Bestrebungen, die eher auf Gespräch und Auseinandersetzung, denn auf Anwerbung setzen. Bereits 2011 wurde als Reaktion auf die Debatte um Thilo Sarrazin und dessen kontrovers diskutiertes „Buch Deutschland schafft sich ab“ der Verein „Deutscher.Soldat e.V.“ gegründet. Engagiert sind dort vor allem Offiziere und Offizieranwärter mit Migrationshintergrund. Anhand ihrer Lebensläufe versuchen die derzeit rund 40 Mitglieder aufzuzeigen, dass Integration in Deutschland funktioniert. Bisher ist der Verein vor allem auf den Raum Hamburg konzentriert. Eine Mitgliedschaft, so heißt es, ist nicht auf das Personal der Bundeswehr beschränkt, sondern stünde jedem offen. Das gemeinsame Ziel: Die Förderung des interkulturellen Dialogs.

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