Aleviten in der Türkei: Erdoğan überrascht mit Reform-Paket

Die Aleviten in der Türkei verlangen seit Jahrzehnten eine religiöse Anerkennung und Gleichstellung. Nun bringt der türkische Ministerpräsident Erdoğan ein Reform-Paket ins Rollen, das den Forderungen der Aleviten entgegenkommen könnte. Neben einer de facto Verbeamtung von alevitischen Geistlichen sollen die Aktivitäten der Gemeinden mit staatlichen Geldern gefördert werden.

Aleviten in der Türkei schöpfen Hoffnung für Gleichstellung (Foto: Flickr/festival.).

Aleviten in der Türkei schöpfen Hoffnung für Gleichstellung (Foto: Flickr/festival.).

Während die regierungskritischen Proteste in der Türkei weiterlaufen, verkündet der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan eine nachhaltige Öffnung in der Aleviten-Frage. Die Regierung werde in den kommenden Wochen einen Gesetzesvorschlag ins Parlament einbringen, der die Gleichstellung der Aleviten voranbringen soll. Das Reform-Paket beinhaltet elf Punkte.

Die AKP möchte die Stiftungen der Aleviten zusammenfassen. Als Dachorganisation soll die „Hacı Bektaş-ı Veli“-Stiftung dienen. Der türkische Staat werde die Dachorganisation subventionieren. Die Subventionen sollen in die Aktivitäten aller Unterorganisationen fließen. Die Verwendung werde den Organisationen selbst überlassen, berichtet Haberturk. Die alevitischen Versammlungs- und Gotteshäuser („Cem-Stätten“) sollen den Status von „Glaubens- und Kulturzentren“ erhalten.

Staatliches Einkommen für Geistliche

Die türkischen Kommunen werden angewiesen, den alevitischen Gemeinden kostenlosen Baugrund für ihre Gotteshäuser zur Verfügung zu stellen. An der Hitit-Universität soll der erste Lehrstuhl für das „Alevitentum“ eingerichtet werden. Alevitische Geistliche werden die Möglichkeit erhalten, an von alevitischen Religionswissenschaftlern eingerichteten Fortbildungen teilzunehmen. Zum Abschluss sollen sie die offizielle Anerkennung als „Glaubens-Vertreter“ erlangen. Anschließend werde der Staat für das Einkommen der Geistlichen aufkommen. Dieser Schritt kommt einer Verbeamtung gleich.

Uneinigkeit unter Aleviten

In der Türkei leben schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Aleviten, berichtet das US-Außenministerium. Die offiziell-staatliche Statistik weist jedoch 99,8 Prozent Muslime aus. Eine Hauptforderung der Mitglieder der alevitischen Gemeinschaft ist die Anerkennung der Cem-Stätten als Ort der Religionsausübung und damit eine defacto Gleichstellung mit den Moscheen. Ob es sich um eine eigenständige Religion handelt oder nicht, darüber herrscht auch unter den Aleviten Uneinigkeit (mehr hier).

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