Diplomatischer Rückschlag: Erdoğan-Stellvertreter Bozdağ wettert gegen Merkel

Der stellvertretende türkische Premier Bekir Bozdağ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre „Einmischung“ in die inneren Angelegenheiten der Türkei kritisiert. Auch er hängt der Theorie Erdoğans von einem Komplott gegen das Land an. Unterdessen haben sich am Sonntag Tausende Anhänger des Premiers in Wien zusammengefunden.

Nachdem Außenminister Guido Westerwelle und sein türkischer Amtskollege Ahmet Davutoğlu am vergangenen Samstag in Doha um diplomatische Schadensbegrenzung zwischen Deutschland und der Türkei bemüht waren (mehr hier), hat Erdoğan-Stellvertreter Bekir Bozdağ nun noch einmal in Richtung Bundeskanzlerin Angela Merkel gewettert.

Merkels Besorgnis ist für Bozdağ Einmischung

„Indem sie die Vorfälle in der Türkei bewertet, hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in die inneren Angelegenheit der Türkei eingemischt“, so Bozdağ. In einem TV-Interview am vergangenen Sonntag lehnte er Merkels Aussagen zu den Gezi Park-Protesten ab und erklärte, dass es die Regierung nicht zulassen werde, dass sich jemand in die inneren Angelegenheiten der Türkei einmische.

„Unsere Erklärungen sind nur Antworten auf Merkels Bewertungen der inneren Angelegenheiten der Türkei. Merkel jedoch wertet die Vorfällen in der Türkei, indem sie ihre Besorgnis zum Ausdruck bringt. Ist das keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei? Überschattet das nicht die Objektivität eines Staates?“, zitiert worldbulletin.com Bozdağ.

Medien stellen Proteste als Bürgerkrieg dar

Nachdem am vergangenen Samstag bereits bekannt wurde, dass der türkische Geheimdienst MİT vermeintliche ausländische Verbindungen in Zusammenhang mit den seit rund vier Wochen dauernden Protesten untersucht (mehr hier), hat sich nun auch Bozdağ noch einmal hinter die Komplott-Theorien des Premiers gestellt. Auch er hält die Ereignisse der letzten Wochen nicht für einen Zufall. Die Proteste, so seine Überzeugung, seien gut geplant mit „Drehbuchautoren, Schauspielern sowie Regisseuren und Sponsoren“. Das Ziel sei es ganz klar, Barrikaden zwischen dem Ministerpräsidenten und den Bürgern zu errichten. Kritik übte er zudem an den internationalen Medien, die die Demonstrationen wie einen Bürgerkrieg und die Regierung kurz vor dem Sturz darstellen würden.

Unterdessen haben sich am Sonntag Tausende Pro-Erdoğan-Demonstranen in Wien getroffen. Mehr als 8000 Menschen, so berichtet der Standard, nahmen an einem Marsch für den Premier teil. Ausgehend vom Columbusplatz skandierten sie Slogans wie „Yalla Bismillah Allahu Akbar“ („Los geht’s im Namen Gottes, Gott ist allmächtig“). Der Veranstalter heißt es, wollte anonym bleiben. Organisiert worden sei das Ganze über Facebook. Auch eine Gegenkundgebung habe stattgefunden. Begegnet seien sich die Parteien allerdings nicht.

Proteste gegen türkische Regierung in Wien geplant

Für Donnerstagabend, so schreibt das Blatt weiter, seien weitere Demonstrationen gegen die türkische Regierungspolitik ab 18.00 Uhr im Resselpark am Wiener Karlsplatz geplant. In der vergangenen Woche sorgten Aussagen des oberösterreichischen grünen Bundesrats Efgani Dönmez für Aufruhr. Austro-Türken, die sich mit dem Führungsstil des türkischen Premiers Erdoğan einverstanden zeigten, könnten seiner Ansicht nach Österreich auch gleich verlassen (mehr hier).

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