Gleichberechtigung: Türkei will Unterricht auf Kurdisch erlauben

Nur wenige Tage nach einem Signal an die alevitische Bevölkerung der Türkei kommt nun erneut Bewegung in die Kurdenfrage. Das türkische Bildungsministerium ist offenbar bestrebt, künftig Kurdisch als Unterrichtssprache in Privatschulen zuzulassen. Als Wahlfach ist Kurdisch seit dem vergangenen Schuljahr an staatlichen Schulen eingeführt.

Das türkische Bildungsministerium will privaten Schulen des Landes künftig erlauben, Unterricht in kurdischer Sprache anzubieten. Ein entsprechendes Änderungspaket soll bereits in den kommenden Tagen vorgestellt werden. Darin soll dann auch das Thema Bildung in der Muttersprache verankert sein. An staatlichen Schulen soll Kurdisch allerdings weiterhin nur als Wahlfach angeboten werden (mehr hier).

Profunde Türkischkenntnisse sicherstellen

Um Unterricht auf Kurdisch zu ermöglichen, muss jedoch erst Artikel 42 der Verfassung abgeändert werden. Derzeit ist dort festgeschrieben: „Den Bürgern soll in allen Schulen und Ausbildungseinrichtungen keine andere Sprache als das Türkische als Muttersprache näher gebracht werden.“ Nun, so berichtet die türkische Zeitung Zaman, soll ein Zusatz diese Regelung aufweichen. Daneben, so berichtet das Blatt, sei auch eine Änderung des Gesetzes Nr. 5580 über private Bildungseinrichtungen notwendig. Ausschließlich auf Kurdisch soll der Unterricht dann allerdings nicht erfolgen. Nach wie vor müssen die Bildungseinrichtungen sicherstellen, dass die Schüler profunde Türkischkenntnisse besitzen.

Die erste Kurdisch-Kurse in türkischen Schulen gab es bereits im Jahr 2004. Auf Grund mangelnden Interesse oder wegen finanzieller Schwierigkeiten blieben die meisten jedoch nicht bestehen. In einem zweiten Annäherungsschritt wurden im Zuge der 4+4+4-Schulreform Kurdisch-Klassen als Wahlfach an staatlichen Schulen zugelassen (mehr hier). Allerdings: Das seit diesem Schuljahr angebotene Wahlfach Kurdisch wird schlechter angenommen, als im Vorfeld erwartet.

UNESCO: Sprachliche Vielfalt der Türkei gefährdet

Mittlerweile sind Predigten auf Kurdisch ebenso zugelassen wie eine Verteidigung vor Gericht in der Muttersprache. Erst Anfang des Jahres zeigte sich die UNESCO alarmiert. In der Türkei sind derzeit ganze 18 Sprachen gefährdet, drei davon bereits ganz ausgestorben.

Erst vor wenigen Tagen die Überraschung: Die Aleviten in der Türkei verlangen seit Jahrzehnten eine religiöse Anerkennung und Gleichstellung. Nun brachte der türkische Ministerpräsident Erdoğan ein Reform-Paket ins Rollen, das den Forderungen der Aleviten entgegenkommen könnte. Neben einer de facto Verbeamtung von alevitischen Geistlichen sollen die Aktivitäten der Gemeinden mit staatlichen Geldern gefördert werden.

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