Literatur gegen Buschkowsk​y-Thesen: „Neukölln ist nirgendwo“

Der deutsche Journalist Ramon Schack will Heinz Buschkowskys Thesen über Berlin-Neukölln außer Kraft setzen und hat dazu ein Buch verfasst. Es trägt den Titel „Neukölln ist nirgendwo“. Das Werk soll weder als Liebes- noch als Kriegserklärung an Neukölln aufgefasst werden. Vielmehr versucht Schack seinen Lesern eine realistische Momentaufnahme zu bieten.

Für den Politologen und Journalisten Ramon Schack ist der Berliner Stadtbezirk Neukölln „der aufregendste Ort der Republik“. Mit dieser Feststellung unterscheidet er sich vom Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky.

In Buschkowskys Fokus: „bildungsferne“ Eltern

Denn Buschkowsky geht mit seinem Buch „Neukölln ist überall“ hart ins Gericht mit seinem Bezirk. Im Fokus seiner Kritik stehen die Migranten oder besser gesagt die „bildungsfernen“ Eltern der jungen Migranten Neuköllns. Er spricht sowohl von „sozialen Schieflagen“ als auch von Erfolgen, wobei die Negativbeispiele überwiegen. Auf die Diskriminierung von Migrantenkindern im deutschen Schulsystem geht er nicht ein.

„Ich freue mich über die gut 300 Einwanderer-Abiturienten, die wir hier jedes Jahr hervorbringen, aber ihnen stehen auch über 700 Schulabgänger ohne Abschluss oder mit Hauptschulabschluss gegenüber. Die mit den schlechten Noten bleiben, die Abiturienten ziehen fort“, sagt er im Gespräch mit der ZEIT.

Schack kontert Buschkowsky

Der Neuköllner Schack will nun ein anderes Bild von seinem Stadtviertel zeichnen und kontert mit einem neuen Buch unter dem Titel „Neukölln ist nirgendwo“. Neukölln sei kein Viertel der gescheiterten Integration, der Überfremdung, der Islamisierung, der Kriminalität oder des sozialen Verfalls.

„Wenn Neukölln wirklich ‚überall‘ wäre, dann müssten wir nicht weiter über diesen Bezirk im Südosten Berlins diskutieren, dann hätte dieser sein Alleinstellungsmerkmal verloren. Dem ist aber nicht so. In der Abgeschiedenheit seines Amtssitzes, im Rathaus von Neukölln, hat Heinz Buschkowsky die aktuelle Entwicklung Neuköllns zu einem der aufregendsten Orte der Republik übersehen oder ignoriert.“

Denn in Neukölln leben Migranten, Studenten, junge Akademiker-Familien, Künstler und auch sozial schwache Seite an Seite. Das sei die Realität des Viertels.

„Hätte mich Herr Buschkowsky um einen Rat gefragt, dann hätte ich ihm geraten, selbst für sein Buch zu recherchieren und nicht vier Bedienstete dafür zu beschäftigen, was ja nicht nur ein Ausdruck von Bequemlichkeit ist, sondern meiner Meinung nach auch von einer höchst eigenwilligen Auffassung seines Berufs-Ethos“, so Ramon Schack in seinem Buch.

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