Genc-Preis für NSU-Hinterbliebene: Tülin Özüdogru gibt der Gesellschaft keine Schuld

Tülin Özüdogru, deren Vater Abdurrahim 2001 in Nürnberg von der terroristischen Neonazivereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ mit zwei Kopfschüssen in seiner Änderungsschneiderei erschossen wurde, ist am vergangenen Dienstag mit dem Genc-Preis ausgezeichnet worden. Für die Jury ist die junge Frau ein „herausragendes Beispiel für Versöhnung“.

Nach einjähriger Pause ist am vergangenen Dienstag erneut der Genc-Preis der  Deutsch-Türkischen Gesundheitsstiftung (TDG) in Berlin verliehen worden. Neben Sebastian Edathy, Leiter des NSU-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages, ging der Preis auch an eine Hinterbliebene der NSU-Opfer. Beide hätten sich, so die Ansicht der Preisstifter, unter dem Eindruck der NSU-Mordserie vorbildlich für ein friedliches Miteinander eingesetzt.

Tülin Özüdogru, so berichtet die Deutsche Welle, erhielt den Genc-Preis, weil sie „trotz tiefster Trauer die Gesellschaft nicht plakativ beschuldigte“ und habe so nach Ansicht der Jury ein „herausragendes Beispiel für Versöhnung“ gegeben.

Benannt ist der mit 10.000 Euro dotierte Preis nach der türkischstämmigen Familie Genc aus Solingen. Vor 20 Jahren verlor sie durch einen rassistisch motivierten Brandanschlag gleich fünf Angehörige. Der Präsident des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert (CDU), ist Schirmherr. Vergeben wird der Preis seit 2008. Die Auszeichnung setzt auf gesellschaftlichen Zusammenhalt gegen Rechtsextremisten. Wesentliche Werte sind Versöhnung, Verständigung und Integration. 2013 gab es erstmals zwei Preisträger. Özüdogru nahm den Preis stellvertretend für die Opfer der Rechtsterroristen „Nationalsozialistischen Untergrunds“ entgegen.

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