Keine Schule, kein Job, keine Ausbildung: Türkei hat höchste NEET-Anzahl innerhalb der OECD-Staaten

Die Türkei hat derzeit innerhalb der OECD-Staaten den höchsten Anteil an jungen Menschen, die weder eine Beschäftigung noch eine Ausbildung haben. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten, jährlichen Bildungsbericht „Education At a Glance 2013“ hervor. Die so genannten NEETs machen ganze 35 Prozent der jungen Leute im Land aus.

Sie besuchen keine Schule, gehen keiner Arbeit nach und bilden sich auch nicht beruflich fort. Diese so genannten NEETs (Not in Education, Employment or Training) sind in der Türkei offenbar besonders stark vertreten. Wie aus dem aktuellen Bildungsbericht der OECD hervorgeht, ist deren Anteil unter den jungen Leuten so hoch wie nirgends sonst innerhalb der Organisation.

35 Prozent der türkischen Jugendlichen zwischen 15 und 29 Jahren fallen in diese Gruppe. Zum Vergleich: Im OECD-Durchschnitt sind es gerade einmal 16 Prozent. Frauen sind in der Türkei zudem fast doppelt so häufig unter den NEETs zu finden, wie ihre männlichen Altersgenossen. Fünfzig Prozent der jungen türkischen Frauen sind NEETs, verglichen mit 20 Prozent der jungen Männer. Ursächlich für diese Zusammensetzung, so der Report, sei die Tatsache, dass viele dieser jungen Frauen sich um ihre Familien und den Haushalt kümmern würden.

Arbeitsmarkt: Junge Akademiker haben es schwer

Nach Ansicht der OECD mache das niedrige Bildungsniveau in der Türkei den Übergang von der Schule in den Beruf für junge Erwachsene, vor allem für diejenigen, denen die Sekundarstufe II fehlt, zu einer echten Herausforderung. Nur ein Drittel der jungen Leute zwischen 15 und 29 Jahren hätten 2011 ihre Ausbildung nach dem Abschluss der Sekundarstufe I fortgesetzt. Erst kürzlich warnte die Weltbank, dass der niedrige Ausbildungsstand des Landes das Wachstum bremse (mehr hier).

Ganz anders der übrige OECD-Durchschnitt, der hier bei 68 Prozent lag. Gleichzeitig war es für junge Menschen mit Hochschulabschluss schwer, ihre gerade erworbenen Fähigkeiten auf dem türkischen Arbeitsmarkt einzubringen. Seit Beginn der Finanzkrise, so heißt es weiter, sei der Anteil der jungen Akademiker in Beschäftigungsverhältnissen um acht Prozent gesunken. Waren es 2008 noch 62 Prozent, konnten 2011 nur noch 54 Prozent verzeichnet werden. Auch hier lag der OECD-Durchschnitt mit einer Absenkung um fünf Prozent niedriger.

Insgesamt stieg die Anzahl der NEETs mit abgeschlossener Unilaufbahn in der Türkei zwischen 2008 und 2011 um drei Prozent. Hier ist die OECD mit zwei Prozent nicht allzu weit entfernt.

Mehr türkische Jugendliche gehen zur Schule

Doch trotz der düsteren Zahlen im „Education At a Glance 2013“-Bericht, so die türkische Zaman, würden sich auch Verbesserungen in allen Bereichen des türkischen Bildungswesens abzeichnen. So seien im Jahr 2011 nahezu alle Kinder zwischen fünf und 14 Jahren an einer Schule eingeschrieben gewesen. Das entspricht einem Anteil von 95 Prozent.

Allein in den vergangenen zehn Jahren hätte sich die Anmeldungsrate bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren mehr als verdoppelt. Waren es 2001 noch 30 Prozent, kletterte der Wert 2011 bereits auf 64 Prozent. Dennoch liege man immer noch weit hinter dem OECD-Schnitt von 84 Prozent. Mit der Verlängerung der Schulpflicht von acht auf zwölf Jahre (mehr hier), so die Hoffnung, würde sich auch dieser Wert künftig weiter erhöhen.

Hier geht’s zum OECD-Bericht.

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