Run auf türkische Polizeiakademie: Mehr als 65.000 wollen einen Platz

Ungewöhnlich viele junge Leute streben derzeit eine Ausbildung bei der türkischen Polizei an. Für das bevorstehene akademische Jahr an der türkischen Polizeiakademie haben sich über 65.000 beworben. Aufgenommen werden nicht nur einheimische Studenten.

Aktuell interessiert sich eine Rekordzahl von jungen Leuten für eine Ausbildung an der türkischen Polizeiakademie Polis Meslek Yüksek Okullari (PMYO). Für das bevorstehende akademische Jahr 2014/2015 haben sich mehr als 65.000 Personen beworben. Aufgenommen werden am Ende allerdings nur 7000. Die Proteste der vergangenen Wochen und die damit einhergehende Berichterstattung über massive Polizeigewalt haben das Image unter den Interessenten offenbar nicht schädigen können.

330 ausländische Studierende aus 16 Ländern

„Das zeigt in welch großer Gunst die Polizei derzeit steht“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den Leiter der Akademie, Prof. Dr. Remzi Fındıklı. Die Polizei leiste einen ehrbaren Dienst. Es stimme glücklich zu sehen, wie viele Menschen Polizisten werden wollen. Seine Polizeiakademie sei immerhin die einzige Hochschuleinrichtung in der Türkei, die eine derartige Ausbildung anbiete.

Nach Angaben von Fındıklı seien unter dem Dach der Akademie insgesamt 28 berufsbildende Schulen zusammengefasst. Hier könnten die Studenten juristische, technische, aber auch kulturelle Kurse von Fachleuten besuchen. Wahrgenommen wird das Angebot der PMYO übrigens nicht nur von türkischen Interessenten. Fındıklı zufolge hätten hier im vergangenen Jahr auch 330 ausländische Studierende aus 16 Ländern ihre Ausbildung absolviert. Dadurch sei die Akademie „nicht nur eine nationale, sondern eine internationale“ Einrichtung, deren so entstehende Kontakte auch später sowohl in der Politik als auch in der Geschäftswelt hilfreich sind.

Image der türkischen Polizei leidet international

International hat das Ansehen der türkischen Polizei in den vergangenen Wochen stark gelitten. Immer wieder wurden die Beamten für ihr vermeintlich zu harsches Vorgehen gegen die Demonstranten mit Tränengas und Wasserwerfern heftig gerügt (mehr hier).

Eine Lanze für ihren Einsatz brach kürzlich aber unter anderem der Sicherheitsfachmann Mehmet Özcan, Vorsitzender des Ankara Strategy Institute. „Wenn einige illegale Gruppen das Leben der Bürger und Polizisten gefährden und öffentliches Eigentum beschädigen, hat die Polizei das Recht, Gewalt anzuwenden.“ Während die Polizei verhältnismäßige Gewalt angewendet habe, sei sie jedoch mit unverhältnismäßigen Angriffen von diesen Gruppen konfrontiert worden. Es wäre, so fährt er fort, unfair zu behaupten, dass die Polizei unverhältnismäßige Gewalt eingesetzt hätte. Man sollte mit Blick auf die Angriffe prüfen und dann das Niveau der polizeilichen Intervention beurteilen, um das ganze Bild zu lesen (mehr hier).

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