Türkei-Proteste: Französische Studentin trotz Freispruch abgeschoben

Die Staatsanwaltschaft hat alle Vorwürfe gegen die junge Studentin fallen gelassen - trotzdem wurde Elisa Couvert abgeschoben, ohne je eine offizielle Erklärung dazu erhalten zu haben. Während der Proteste hatte sie sich zum Schutz vor Tränengas zufällig in einem Parteigebäude versteckt, in dem sich nach Angaben der Polizei "terroristische" Gruppen befunden haben sollen.

Die 24-jährige Elisa Couvert wurde am 11. Juni beim Vorgehen gegen die Demonstranten festgenommen. Kurz darauf wurde, entschieden die französische Studentin abzuschieben, obwohl man nichts gegen sie in der Hand hatte. Gegen diese Entscheidung will Couvert nun vorgehen.

Couvert hatte sich während der Proteste im Gebäude der Sozialistisch Demokratischen Partei (SDP) mit rund 30 anderen Personen versteckt, da verstärkt Tränengas eingesetzt wurde. Was Couvert nicht wusste – eine Gruppe, die ebenfalls in dem Gebäude Unterschlupf gefunden hatte, wurde beschuldigt, bei den Protesten Molotowcocktails eingesetzt zu haben. Die Polizei führte deshalb eine Razzia im Gebäude der Partei durch und nahm Berichten zufolge 70 Personen fest. Zunächst wurden die Festgenommenen verdächtigt, nach Angaben der Sicherheitskräfte Teil einer „terroristischen“ Vereinigung zu sein.

„Es ist schwer zu verstehen, warum eine politische Partei auf diese Weise behandelt wird“, zitiert die Hürriyet Couvert. Sie habe nichts über die Partei gewusst und nur schnell Schutz gesucht.

Ihre Untersuchungshaft habe vier Tage angedauert. Während dieser Zeit sei sie beschuldigt worden, eine französische Spionin zu sein und musste detaillierte Angaben über ihr Leben in der Türkei, darunter auch ihre Abschlussarbeit an der Universität, machen.

Ohne jegliche offizielle Erklärung sei anschließend ihre Aufenthaltsgenehmigung aufgehoben worden und sie wurde abgeschoben. Ein Jahr lang dürfe sie nun die Türkei nicht betreten. Und dass, obwohl der zuständige Staatsanwalt alle Vorwürfe gegen sie hatte fallen lassen. Wie erfolgreich ihr Antrag auf Aufhebung der Entscheidung sein wird, ist noch nicht klar.

Die Erasmus-Studentin hatte vor zwei Jahren ein Austauschprogramm an der Galatasaray Universität begonnen und schrieb ihre Masterarbeit zum Thema „Kurden, die Kurdisch später lernen“. Im Oktober hätte sie diese abgeben müssen.

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