Islamfeindlichkeit in England: Seit 9/11 fast die Hälfte aller Moscheen attackiert

Schon seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wird das Leben muslimischer Gemeinden in Großbritannien immer wieder von islamfeindlichen Attacken überschattet. Der Mord an einem jungen Soldaten Ende Mai hat die Lage nun noch einmal verschärft. Fachleute fürchten, dieser Trend könnte langfristig sein.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben tiefe Spuren im muslimischen Leben Großbritanniens hinterlassen. Wie das Watchdog Tell Mama herausgefunden hat, wurden seit den Ereignissen in New York rund die Hälfte der Moscheen und muslimischen Zentren in Großbritannien Ziel islamfeindlicher Attacken. Doch Besserung scheint kaum in Sicht. Ganz im Gegenteil: Der Mord an dem britischen Soldaten Lee Rigby im vergangenen Mai hat das Klima noch rauer werden lassen.

Mord an Lee Rigby ein Impulsgeber?

Auf Grundlage der Tell Mama-Daten zeigt Professor Nigel Copsey von der Teesside Universität auf, dass zwischen 40 und 60 Prozent der Moscheen und andere islamische Zentren in Großbritannien, insgesamt etwa 700, seit 9/11 angegriffen wurden. Aber dem nicht genug: „Seit dem Mord in Woolwich gibt es zweifellos einen Anstieg anti-muslimischer Vorfälle“, zitiert ihn die türkische Zeitung Zaman. Nun sei man in Sorge, ob die Anzahl der Hassverbrechen überhaupt zu einem „normalen Niveau“ zurückkehren würden oder, ob der jüngste Mord an dem jungen Soldaten vielleicht sogar eine Art Impulsgeber sein könnte und sich die anti-muslimischen Vorfälle auf lange Sicht sogar nochmals steigern könnten.

Unbegründet scheint das nicht. So berichtete etwa die britische Zeitung The Independent schon kurz nach der Tat von einem intensiven Klima der Gewalt. Dem Medium zufolge, hätte sich die Zahl der Attacken in den Tagen nach dem Mord um mehr als das Zehnfache erhöht. Angeheizt wurde die Stimmung jüngst auch durch eine Ankündigung der English Defence League (EDL), einen Marsch zum Tatort zu organisieren. Dieser war zwar verboten worden, Anführer Tommy Robinson hielt dennoch daran fest und wurde in Folge dessen gemeinsam mit Co-Chef Kevin Carroll verhaftet, als sie am vergangenen Samstag den Stadtteil Tower Hamlets betreten hatten.

Soldatenmord: 1. Verhandlungstermin steht

Unterdessen bewegen sich auch die Mühlen der Justiz: Wie seit vergangenen Donnerstag bekannt ist, wurde mittlerweile auch ein erster Verhandlungstermin im Soldatenmord (mehr hier) festgesetzt. Die beiden Männer, Michael Adebolajo, 28, und Michael Adebowale, 22, die des Mordes an Rigby beschuldigt werden, müssen am 18. November erstmals vor Gericht erscheinen.

Erst in dieser Woche waren Hakenkreuze und die Buchstaben „EDL“, „KKK“ und „NF“ an die Mauern einer Moschee im Stadtteil Redditch gesprüht worden. Es gab auch Berichte, wonach Schweineköpfe vor den Häusern muslimischer Familien gefunden und Angriffe gegen Personen verübt wurden. Auch ein islamisches Zentrum in Nord-London soll attackiert worden sein. In London gibt es derzeit zum Beispiel Hilfe von einer jüdischen Sicherheitsgruppe (mehr hier).

Hier geht’s zum Bericht von Prof. Copsey.

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