„Unanständige Kleidung“: Islamistische Rebellen wollen Aleppos Frauen erziehen

Geschickter Schachzug von Assads Anhängern oder tatsächlich ein rigoroser Eingriff in das Leben syrischer Frauen? Ein Scharia-Rat in Aleppo will offenbar mittels einer Fatwa das öffentliche Auftreten der einheimischen Damen beschränken. Unsichtliche Kleidung ist demnach ebenso tabu wie Makeup. Gelten soll die Regel nicht nur für Muslima.

In der nordsyrischen Stadt Aleppo wollen islamistische Rebellen offenbar mit harter Hand gegen Frauen vorgehen, die sich ihrer Ansicht nach zu liberal in der Öffentlichkeit präsentieren. Wie am vergangenen Montag bekannt wurde,  zielen die neuen Regelungen auf bestimmte Kleidung und das Makeup der Damen ab. Nicht wenige Einheimische sind entsetzt. Damit würden die Rebellen eindeutig ihre Befugnisse überschreiten.

Initiiert wurde der Eingriff in die Lebenswelt der syrischen Frauen von einem Scharia-Rat im Viertel Fardous, der eine entsprechende Fatwa erlassen haben soll. Diese untersagt den muslimischen Einwohnerinnen das Tragen „unanständiger“ Kleidung. Gleichzeitig ließ man wohl durchblicken, eine solche Regelung für alle Frauen durchsetzen zu wollen.

Wahrung der islamischen Etikette

„Muslimischen Frauen ist das Verlassen des Hauses in unanständiger Kleidung, in enger Kleidung, die ihren Körper zeigt oder mit Makeup untersagt“, zitiert die Huffington Post die Erklärung des Scharia-Rats. Demnach sei es die Pflicht aller Schwestern, Gott zu gehorchen und sich zu verpflichten, die islamische Etikette zu wahren.

Zunehmend haben islamistische Hardliner unter den Rebellen die Führung im Aufstand gegen den syrischen Präsidenten Bashar al Assad übernommen, einige davon mit Verbindungen zu Al Qaida. Mittlerweile, so beschreibt das Blatt, hätten sie ihren Einfluss ausgeweitet und eigene Polizeieinheiten und Verwaltungsräte in den von ihnen kontrollierten Gebieten ins Leben gerufen. Ganz zum Leidwesen vieler Syrer, die vermehrt von Eingriffen in ihre alltägliche Freiheit berichten. Für Aufsehen sorgte etwa erst vor kurzem die Exekution eines 15-jährigen Jungen in Aleppo vor den Augen seiner Eltern (mehr hier).

Facebook: User uneins über Fatwa

Veröffentlicht worden sein soll die Erklärung des Scharia-Rates übrigens auf dessen Facebook-Seite. Die Reaktionen, so berichtet Reuters, seien geteilt gewesen. Während einige das Vorgehen begrüßt hätten, gäbe es auch jene, die an der Echtheit der Fatwa zweifeln würden. Eine dritte Gruppierung sehe darin allerdings auch die Chance auf einen Seitenhieb gegen islamistische Rebellenführer.

Bereits im Frühjahr 2013 warnte der deutsche Fotograf Timo Vogt nach einer Syrienreise vor den Entwicklungen im Land: In Syrien, so sein Eindruck, drohe die Tatenlosigkeit des Westens zur Radikalisierung der Bevölkerung zu führen. Al Qaida versucht sich als Retter zu profilieren, während der Rest der Welt weiter zögert (mehr hier). Jüngst zeigte sich auch der deutsch-türkische Sozialwissenschaftler, Alperen Çelik, besorgt über die Lage. Er sagt, dass es immer schwieriger wird, Täter und Opfer im Syrien-Konflikt zu unterscheiden. Die Rebellen als Freiheitskämpfer zu bezeichnen, sei ein Fehler. Denn sie gingen mit äußerster Brutalität vor (mehr hier).

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