Snowden an Bord? Boliviens Staatschef muss in Wien landen

Dienstagnacht wurde die Maschine des bolivianischen Präsidenten auf dem Weg von Russland nach Bolivien ungeplant umgeleitet. Portugal und Frankreich versagten dem Präsidenten-Flieger, ihren Luftraum zu durchqueren. Es wurde vermutet, dass Edward Snowden sich an Bord der Maschine befand. Der Flieger musste in Wien landen.

Der Fall Snowden stellt die diplomatischen Beziehungen weltweit auf den Prüfstand. Im Verlauf des Dienstags hatten mehrere Länder dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter Asyl versagt. Die USA üben einen mächtigen Druck aus. Ein Regierungschef, der sich am Dienstag in Russland aufhielt, machte Snowden jedoch Zusagen: der bolivianische Präsident Evo Morales. Die Folge war, dass seine Maschine auf dem Rückflug von Russland nach Bolivien umgeleitet und in Wien landen musste. Es kursierte das Gerücht, dass sich Snowden selbst an Bord des Fliegers befand.

Zuvor hatte Portugal dem Präsidentenflieger versagt, in Lissabon nachzutanken. Aus Frankreich hieß es, die Maschine dürfe den Luftraum nicht durchqueren. Dadurch war Morales gezwungen, in Wien zu landen. Einige EU-Beamte sollen nach der Landung gesagt haben, sie ließen das Flugzeug nur über ihren Luftraum fliegen, wenn die Maschine durchsucht werden dürfte, sagte der der Vizepräsident des Landes, Alvaro Garcia Linera, CNN.

Die Reaktion aus den bolivianischen Regierungskreisen folgte schnell. „Wir wissen nicht, wer diese Lüge in den Raum gestellt hat“, so der bolivianische Außenminister David Choquehuanca. „Jemand will unserem Land schaden“. Und der Vizepräsident des Landes, Alvaro Garcia Linera, bezeichnete Morales in einer Fernsehansprache am späten Dienstagabend als „Geisel des Imperialismus“. Venezuelas Außenminister Elias Jaua sagte, die Aktionen der USA gegen Snowden hätten einen „totalitären und faschistoiden Charakter“. Zudem forderte Jaua die Länder Lateinamerikas und der Karibik auf, sich gegen diesen Angriff auf Morales Leben zu wehren, so Zeitung El Nacional.

Am Dienstag hatte der bolivianische Präsident Morales in Russland gesagt, dass sein Land erwägen würde, Snowden Asyl zu gewähren. Weiterhin behauptet Bolivien jedoch, dass Snowden nicht an Bord der Maschine gewesen sei. Wo sich Snowden gerade aufhält, ist allerdings auch nicht klar.

Mehr auf DWN.

Mehr zum Thema:

DIE LINKE: USA sieht Deutschland als „drittklassigen Satellitenstaat“
EU-Politiker unter Terrorverdacht? Leutheusser-Schnarrenberger kritisiert US-Überwachung
Briten spähen Deutsche aus: Vodafone kauft Kabel Deutschland

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.