Umbruch in Ägypten: Proteste fordern mindestens zehn Tote

Die Nachricht vom Sturz des ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi könnte mindestens zehn Menschen das Leben gekostet haben. In mehreren Städten des Landes kam es am Mittwochabend zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Unterdessen ist auch der Verbleib von Mursi klar. Er steht unter Hausarrest.

Bis zum frühen Donnerstagmorgen feierten Tausende auf dem zentralen Tahrir Platz in Kairo den Sturz des ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi. Mit Feuerwerken und lauten Jubelschreien füllten sie die Nacht, streng abgeschirmt von Anhängern der Muslimbruderschaft. Andernorts verliefen die Ereignisse weit weniger friedlich. Mindestens zehn Tote sollen während der historischen Stunden ihr Leben gelassen haben.

Gewalt in Alexandria und Marsa Matruh

In der Hafenstadt Alexandria soll es in der Nacht zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen sein. Dabei gab es nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur MENA mindestens drei Tote. Bei einem Opfer soll es sich um eine Frau gehandelt haben, der in den Bauch gestochen wurde. Zwei Männer seien durch Schrotkugeln gestorben. Zuvor hieß es bereits, dass es mindestens 50 Verletzte gebe. „Wir kommen mit der Situation zurecht. Wir haben bereits Verstärkung angefordert“, so Sherif Abdelhamid am vergangenen Mittwochabend.

Opfer gab es auch in Marsa Matruh im Nordwesten des Landes an der libyschen Grenze zu beklagen. Nach Angaben des Gouverneur des Bundesstaates, Badr Tantawi, sollen mindestens vier Menschen getötet worden sein, andere Quellen sprechen hingegen von mindestens sechs. Drei Menschen, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, seien zudem in der süd-ägyptischen Stadt Minya gestorben. 14 seien verletzt worden. Dutzende weitere Verletzte soll es darüber hinaus in Fayoum, südlich von Kairo, gegeben haben.

Mursi und gesamtes Präsidententeam in Haft

Unterdessen ist am Donnerstagmorgen auch der Verbleib von  Muhammad Mursi klar. Bereits in der Nacht kursierten Gerüchte über seine Verhaftung (mehr hier). Doch über die Sozialen Medien hatte er am Abend noch signalisiert, den Putsch nicht hinnehmen zu wollen (mehr hier). Jetzt gab der Sprecher der Muslimbruderschaft, Gehad El-Haddad, über Twitter bekannt, dass Mursi tatsächlich unter Arrest gestellt worden sei, ebenso wie das gesamte Präsidententeam. Zunächst soll es für alle zusammen ins Hauptquartier der Präsidentengarde gegangen sein. Danach habe man sie von Mursi getrennt.

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