Facebook: Ägyptischer Markt attraktiv, aber ohne große Umsätze

Der Umbruch in Ägypten vollzieht sich derzeit nicht nur auf den Straßen des Landes. Eine wesentliche Rolle spielen die Sozialen Medien. Die Begeisterung für Facebook und Co. ist immens. Doch wirkliches Kapital konnte daraus bisher nicht abgeleitet werden.

Die Rolle der Sozialen Medien im Rahmen des Arabischen Frühlings wurde 2011 nahezu erschöpfend diskutiert – und wird es auch noch heute. Ganz gleich, welches Gewicht man Facebook, Twitter und Co. hierbei auch zukommen lassen mag, fest steht: Auch 2013 sind sie an vorderster Front präsent. Und das nicht nur auf Seiten der Demonstranten. Die dahinter stehenden Unternehmen beobachten diese Entwicklung genau. Investoren können sie bisher allerdings kaum locken.

Die Bilder und Videos vom Tahrir Platz, die die ägyptischen User in die ganze Welt hinaus senden, haben in den vergangenen Tagen die ganze Welt überflutet. Doch nicht nur sie haben die Sozialen Netzwerke für ihre Zwecke genutzt. So veröffentlichte das ägyptische Militär sein 48-Stunden-Ultimatum gegen Präsident Mursi auf dessen offizieller Facebook-Seite. Der gestürzte tat es ihnen wenig später gleich. Ebenfalls über seinen Account ließ er verlauten, dass der Putsch nicht hinnehmbar sei (mehr hier).

Facebook-Wachstum: Woher kommen User?

„Dies ist nur das jüngste Anzeichen dafür, dass in Entwicklungsländern Soziale Netzwerk das Internet mehr dominieren als es in den USA“, so das Wall Street Journal. „Die Herausforderung besteht darin, die Trafficflut nun eine Bargeldflut zu verwandeln.“ Trotz eines extrem engagierten Facebook-Publikums fehle es in Ägypten an einem attraktiven Werbemarkt. Investoren, so das Medium, sollten sich daher nicht nur darauf konzentrieren, wie schnell Facebook wachse. Wichtig sei vielmehr, woher die neuen User stammten.

Bis Ende März dieses Jahres kletterte die Gesamtzahl der Facebook-User auf 1,1 Milliarde Menschen weltweit. Das entspricht einem Wachstum von ganzen 23 Prozent gegenüber dem ersten Vorjahresquartal. Allerdings: In den USA oder Kanada fiel das Wachstum mit sieben Prozent vergleichsweise bescheiden aus. 2010 sei das, so das WSJ weiter, noch ganz anders gewesen. Damals stellten die USA und Kanada 30 Prozent der gesamten Facebook-User-Basis. Der so genannte „Rest der Welt“, also der Nahe Osten, Afrika und Lateinamerika, kamen zu jener Zeit auf einen Anteil von 19 Prozent. Mittlerweile hat sich hier jedoch einiges getan. Im ersten Quartal 2013 seien es bereits bis zu 29 Prozent gewesen.

Ägyptischer Markt muss beobachtet werden

„Natürlich zahlen Inserenten mehr für Aufmerksamkeit in der entwickelten Welt. Folglich waren die durchschnittlichen Einnahmen pro Benutzer in den USA oder Kanada 3,50 Dollar im letzten Quartal. Im Gegensatz zu 50 Cent pro Benutzer in der ‚Rest der Welt‘-Kategorie“, so das WSJ. Das Wachstum im Mittleren Osten und anderen aufstrebenden Märkten sei für Facebook sicherlich wertvoll. Der Umsatz pro Kunde sei bereits gewachsen. Eine radikale Abkehr von den bisherigen Investitionsschwerpunkten rät das Blatt allerdings dennoch nicht. Derzeit erscheint es für Investoren geboten, den Markt in Nordamerika weiter zu beobachten. Der Grund liegt auf der Hand: Es werde noch eine lange Zeit dauern, bevor die Benutzer an den Ufern des Nils, auch zu zahlungskräftigen Kunden werden. Auch die politische Führungsriege zeigt sich, wenn auch zuletzt mit Einschränkungen, begeistert von den Neuen Medien (mehr hier).

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