Londoner Gesundheitsexperte: Türkische Reformen könnten Vorbild für Rest der Welt sein

Binnen weniger Jahre hat es die Türkei geschafft, die Gesundheitsversorgung des Landes effektiv zu reformieren. Flächendeckend ist nun eine medizinische Versorgung verfügbar. Die Kosten für die Umsetzung halten sich jedoch in Grenzen. Ein Modell, dass durchaus auch für andere Nationen vorbildhaft sein könnte.

Während die Türkei in nicht wenigen Bereichen Nachholbedarf zu haben scheint, gibt der Gesundheitssektor Anlass zur Hoffnung. Die hier durchgeführten Reformen sind nach Einschätzung eines Fachmannes von der Londoner Imperial College Business School derart vorbildlich, dass sie als Richtschnur für aufstrebende Staaten dienen könnten. Doch auch hier scheint nicht alles Gold, was glänzt.

Mütter und Babys werden besser versorgt

Professor Rifat Atun, Leiter der Health Management Group an der Londoner Einrichtung, stellte jüngst seine Ergebnisse zu den türkischen Reformen auf einer Konferenz in Istanbul vor. Positiv heraus griff der Fachmann vor allem den signifkanten Rückgang der Sterberaten während einer Geburt, die seit den Verbesserungen im türkischen Gesundheitswesen zu verzeichnen seien. Darüber hinaus hätte die Verbesserung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung für werdende Mütter dazu beigetragen, dass auch die Säuglings- und Neugeborenen-Sterberaten reduziert werden konnten (mehr hier). Und zwar um mehr als 50 Prozent in den vergangenen zehn Jahren.

Verbesserung der Versorgungsdichte

Daneben lobt Atun, dass das Gefälle zwsichen Ost und West
bei den Dienstleistungen und der Infrastruktur der
Krankenhäuser beseitigt werden konnte. Nun gäbe es nicht nur eine Krankenversicherung für alle Bürger, sondern auch eine ausgewogene Dichte von Hospitälern und Dienstleistungen in allen Städten. Als positiv erachtet er zudem die Möglichkeit, dass Menschen, insbesondere Kinder, in Notfällen nicht ins Hospital gebracht werden müssten, sondern von Sanitätern abgeholt werden könnten.

Das türkische Gesundheitswesen habe seine erste große Entwicklung bereits in den Jahren 1994 bis 2003 gemacht. Nun hätte man darauf aufgebaut. Insgesamt sei eine politische und wirtschaftliche Stabilität sowie die Unterstützung der gesamten Minister nötig, um einen solchen Prozess erfolgreich durchführen zu können. Geboten sei in diesem Zusammenhang auch, das System in Gänze zu reformieren und nicht etwa Stück für Stück.

Die Einschätzungen von Atun werden auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geteilt. Die hatte die Türkei bereits während ihrer 65. Weltgesundheitsversammlung, die vom 21. bis 26. Mai 2012 in Genf stattfand, als eine beispielhafte Nation hinsichtlich ihrer Gesundheitsreformen vorgestellt. So müssen ausländische Ärzte mittlerweile einen Sprachtest absolvieren, bevor sie in der Türkei praktizieren dürfen (mehr hier). Daneben benötigen auch Ausländer mittlerweile eine Pflichtversicherung, wenn sie in der Türkei leben (mehr hier).

Effektives Gesundheitssystem für wenig Geld

Entgegen landläufiger Überzeugung, so stellte damals der amtierende Gesundheitsminister Recep Akdağ heraus, brauche es eben keine exorbitanten finanziellen Mittel, um ein gut funktionierendes und faires nationales Gesundheitssystem zu implementieren. In der Türkei hätte es lediglich 550 Dollar pro Kopf bedurft, um ein Gesundheitssystem einzurichten, das teils sogar besser funktionieren würde als in entwickelteren Ländern. So wurden zum Beispiel 2009 Medikamente zwischen zehn und 40 Prozent billiger. Auch ein Hausarztsystem konnte bereits eingeführt werden. Bestehen geblieben ist übrigens die so genannte yeşil kart (grüne Karte), die verarmten Bürgern (ohne Unterkunft oder Einkommen) eine freie Gesundheitsversorgung bietet. Bestrebungen gibt es daneben auch im Bereich Telemedizin (mehr hier).

TTB sorgt sich um Datenschutz der Patienten

Eine Kehrseite haben die Bestrebungen der türkischen Regierung das Gesundheitssystem nachhaltig zu verbessern dennoch. So kritisiert etwa die Türkische Ärztevereinigung (TTB), dass gerade der Datenschutz der Patienten massiv gefährdet sei. Grund sei die nun praktizierte Weitergabe von Daten an das Gesundheitsministerium, die diese nun sammelt.

An der Konferenz in Istanbul zum Thema allgemeine Gesundheitsversorgung nahmen am 27. und 28. Juni Gesundheitsminister aus Entwicklungsländern und entwickelten Ländern teil. Gemeinsam diskutierten sie, welche Änderungen vorgenommen werden müssten, um die Gesundheit in ihren eigenen Ländern zu verbessern.

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