TÜBİTAK stellt sich quer: Kein Geld für Evolutions-Workshop

Der Wissenschafts- und Technologieforschungsrat der Türkei (TÜBİTAK) soll einen Förderantrag für einen Sommer-Workshop über quantitative Evolutionsbiologie abgelehnt haben. Das Argument: „Evolution ist ein kontroverses Thema“. Die Organisatoren bezeichnen das als die erste offen gezeigte Befangenheit der konservativen türkischen Regierung gegen die Evolutionsbiologie. Beirren lassen sie sich davon allerdings nicht.

Eigentlich sollte vom 9. bis zum 15. September am Nesin Mathematics Village in Şirince ein Workshop zum Thema Evolutionsbiologie stattfinden, bei dem sich türkische Biologie-Studenten einen mathematischen Hintergrund erarbeiten könnten. Doch hierfür nötige Gelder aus dem Staatstopf gab es nicht. Der Wissenschafts- und Technologieforschungsrat der Türkei (TÜBİTAK) stellte sich quer. Evolution sei ein zu kontroverses Thema.

Für die Organisatoren des Workshops rund um Professor Erol Akçay von der Princeton University ist die Sache klar. Mit dem Ablehnungsschreiben der TÜBİTAK hätte man nun den Beweis erhalten, dass die türkische Regierung gegenüber der Evolutionsbiologie voreingenommen sei. Das berichtet Science Insider.

Evolutions ist ein kontroverses Thema

Gebeten hatte man den Rat um 35.000 Lira, umgerechnet rund 18.000 Dollar, um damit die Reise-und Unterbringungskosten der Studierenden und ihrer Referenten zu decken. Aber der Rat entschied anders: „Evolution ist sowohl national als auch allgemein ein kontroverses Thema“, heißt es in dem entsprechenden Schreiben, das man vor gut zwei Wochen erhalten hat. „Es ist schwierig, es als eine Tätigkeit zu betrachten, über die ein Konsens erreicht werden kann. Solange die Evolution ein umstrittenes Thema ist, ist das Ausmaß, in dem die Organisatoren die Gemeinschaft/das Land repräsentieren, sehr fraglich.“

Zufrieden geben wollten sich die Forscher damit allerdings nicht. Am 28. Juni bat man TÜBİTAK seine Entscheidung zu überdenken. Doch ohne Erfolg. Anfechtbar, so die Antwort, sei so etwas nur „vor Gericht“.

TÜBİTAK weist Vorwürfe zurück

Murat Özoğlu, stellvertretender Vorsitzender des TÜBİTAK, weist die Vorwürfe der Befangenheit unterdessen zurück. Jeder Antrag würde einem Peer-Review-Verfahren unterzogen. Abgelehnt worden sei das Projekt nur auf Grundlage dessen. Die TÜBİTAK hätte keine Bedenken Projekte dieser Art zu unterstützen, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. So sei ein Workshop zum Thema Evolution im vergangenen April an der Hacettepe Universität in Ankara finanziert worden.

Ein Argument, das Akçay nicht gelten lassen will. Trotz des Umstandes, dass man das Vorhaben in der Hauptstadt finanziert habe, würde das Ablehnungsschreiben deutlich zeigen, dass der TÜBİTAK Zweifel an der „Universalität“ der Evolution habe. „Das ist sehr gefährlich und zeigt, dass Kreationismus zur Politik der Regierung wird.“

TÜBİTAK nicht zum ersten Mal in der Kritik

Überraschend komme das, so Science Insider weiter, selbst für einige türkische Wissenschaftler nicht. Bereits 2011 sei es zur Sperrung von entsprechenden Seiten im Zuge eines umstrittenen Internetzensurprogrammes gekommen (mehr hier). Und auch Anfang dieses Jahres geriet der TÜBİTAK in die Kritik, als Berichte laut wurden, man blockiere den Druck einschlägiger Bücher.

Der Workshop in Şirince soll nun nach Angaben des Evolutionsbiologen und Co-Organisatoren Murat Tugrul trotzdem stattfinden. Darüber hinaus solle es auch ein kleines Symposium zum gleichen Thema geben. Private Geldgeber, so Akçay weiter, würden nun die Finanzierungslücke schließen. Bisher seien bereits 3000 Türkische Lira eingegangen und die Spenden liefen weiter.

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