Ethik in der Filmindustrie: Russland plant eigenes Regelwerk

Wladimir Putin hatte den Stein ins Rollen gebracht, jetzt soll in Russland tatsächlich an einem Moralkodex für die hiesige Filmindustrie gearbeitet werden. Wie dieser allerdings in bereits bestehende Regelwerke integriert werden soll, scheint ebenso unklar wie die Frage, ob er überhaupt nötig ist.

Eine russische Arbeitsgruppe ist damit beauftragt worden, Leitlinien für die hiesige Filmindustrie zu entwickeln. An der einst von Präsident Wladimir Putin aufgebrachten Idee, einen Verhaltenskodex für das russische Hollywood einzuführen, tüfteln unter anderem erfahrene Regisseure des Landes wie Karen Shakhnazarov und Marlen Khutsiyev.

Strikter Hays-Code als Vorbild für Russland?

Die Arbeitsgruppe wurde unter der Schirmherrschaft der Russischen Union der Filmemacher formiert.  Auch der  Produzent Leonid Vereshchagin und Filmkritiker Kirill Razlogov sind hier mit von der Partie.

Ursprünglich hatte Putin die Idee etwa vor einem Jahr bei einem Treffen mit den Filmemachern aufgebracht. Seiner Ansicht nach, so berichtet The Hollywood Reporter, würden solche Leitlinien die Qualität der lokalen Filme verbessern und gleichzeitig der Gewalt an russischen Bildschirmen Einhalt gebieten. Erst vor kurzem habe er in diese Zusammenhang allerdings auch auf den so genannten Hays-Code verwiesen. Das Regelwerk, das zwischen 1930 und 1967 zur Anwendung kam, gilt als striktes Zensurprogramm, das die Inhalte der US-Filmindustrie kontrollierte.

Wie der russische Moralkodex allerdings funktionieren und mit dem bestehenden russischen Rating-System harmonieren soll, scheint bisher unklar. 1968 wurde in den USA der strenge Hays-Code durch ein freiwilliges Bewertungssystem ersetzt. So etwas Ähnliches existiert auch heute in Russland. Erst im vergangenen Jahr wurden die Zügel allerdings angezogen und stärker auf den Schutz von Kindern ausgerichtet. In Folge dessen erhielten viele Filme eine Altersbeschränkung mit einer Freigabe für „16+“ oder „18+“.

Braucht es wirklich einen Verhaltenskodex?

Ob es überhaupt einen solchen Kodex braucht, darüber scheiden sich in der russischen Filmindustrie derzeit die Geister. Während Rinat Davletyarov, Vorsitzender der russischen Produzenten-Gilde, etwa herausstellt, dass der Hays-Code aus einer bedeutenden  Zeit, nämlich dem goldenen Zeitalter Hollywoods stamme. Hält Regisseur Andrei Proshkin, Leiter des KinoSoyuz, einer alternativen Gewerkschaft der Filmemacher, dagegen. Er belächelt die Idee. Seiner Ansicht nach reichen die bestehenden Rechtsvorschriften aus, um mit ethischen Fragen umzugehen.

Die von Putin gesetzte Frist für die Entwicklung der Charta, ist der 1. Oktober 2013.

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