Umbruch in Ägypten: Profitiert jetzt die türkische Tourismusbranche?

Die anhaltenden Unruhen in Ägypten könnten Tausende potentielle Besucher des nordafrikanischen Landes vertreiben. Von den geänderten Urlaubsplänen profitieren werden in diesem Fall dann vor allem die Türkei, Italien und Griechenland.

Seit dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi am 3. Juli kommt das Land nicht zur Ruhe. Landesweite Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anhängern des Politikers samt Meldungen über zahlreiche Tote und Verletzte bestimmen das tägliche Bild. Die Sorge ist groß, dass nun auch der so wichtige Tourismussektor stark beeinträchtigt werden könnte. 2011 hatte die Branche das nach dem Sturz von Hosni Mubarak schon einmal erlebt.

Auswirkungen werden im Herbst sichtbar

Der türkische Reiseagenturenverband (TÜRSAB) hält sich mit Prognosen derzeit noch zurück. Wie der Vorsitzende  Başaran Ulusoy im Gespräch mit der türkischen Zaman erklärt, sei es trotz der aktuellen Stornierungen noch zu früh, um über Kosten und den Nutzen der Krise in Ägypten für die umliegenden Tourismuszentren zu berechnen. Noch gebe es keine genauen Zahlen, wie viele Menschen nun die Türkei auf Grund der Unruhen Ägypten vorziehen würden. „Es ist allerdings wahrscheinlich, dass die meisten Leute aus Europa das tun werden“, so der Branchenfachmann.

Für den TÜROFED-Vorsitzenden Osman Ayık ist bereits jetzt klar, wohin die sprichwörtliche Reise geht. Dass Ägypten in diesem Jahr Touristen einbüßen wird, liegt für ihn auf der Hand. Die Türkei wiederum sei dann eine der Top-Destinationen für genau jene Gäste. Er sieht Parallelen zu den Ereignissen im Jahr 2011. Schon damals wechselten Urlauber, die ursprünglich in den Nahen Osten und Nordafrika wollten, in die Türkei. Welche Auswirkungen die aktuellen Unruhen auf Ägypten und andere Länder des Mittelmeerraums haben werden, das könne aber erst während der Herbst-Saison beurteilt werden, so Ayik.

Türkei braucht selbst wieder Ruhe

Doch wird die Türkei überhaupt in der Lage sein, die potentiellen zusätzlichen Touristenströmen für sich zu gewinnen? Einige Branchenbeobachter hegen in diesem Punkt sehr wohl Zweifel. So wie TUROB-Präsident Timur Bayındır, der die anhaltenden Spannungen rund um den Istanbuler Gezi Park als durchaus abschreckenden Faktor betrachtet. Schon jetzt sind die Hotels in Istanbul in Mitleidenschaft gezogen (mehr hier).

Damit der türkische Tourismussektor wieder gedeihen könne, brauche es seiner Ansicht nach erst einmal Ruhe. Obschon die türkischen Touristenhochburgen kaum von den Protesten betroffen waren (mehr hier), glaubt er, dass nun Italien und Griechenland die Nase vorn haben werden, wenn es darum ginge Ägypten-Touristen aufzunehmen.

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