Amnesty International: Flüchtlingsrouten an türkisch-griechischer Grenze haben sich verändert

Die griechischen Behörden sind offenbar nicht selten völlig überfordert, wenn es um das Thema Flüchtlinge geht. Wie ein aktueller Bericht von Amnesty International verdeutlicht, würden Beamte die Menschen nicht selten wieder gen Türkei zurückschicken oder aber nicht gerade zimperlich mit ihnen umspringen. Hier, so İrem Arf Rayfield, Amnesty-Referentin für Flüchtlingsrechte und Asylpolitik in Europa, sei nun auch die EU gefragt.

Amnesty International hat einen Bericht über Flüchtlinge veröffentlicht, die versuchen, über die türkisch-griechische Grenze in die Europäische Union zu gelangen. Das Papier mit dem Titel „Frontier Europe: Menschenrechtsverletzungen an Griechenlands Grenze mit der Türkei“ thematisiert vor allem Menschen, die die türkisch-griechische Grenze überqueren, aber auch, wie die Behörden beider Länder damit umgehen.

İrem Arf Rayfield, Amnesty-Referentin für Flüchtlingsrechte und Asylpolitik in Europa, bezeichnet die türkisch-griechische Grenze als die wichtigste Transitroute für das Erreichen der EU. Griechenland habe vor kurzem wesentliche Maßnahmen hinsichtlich der Flüchtlingsströme über das Mittelmeer und die Ägäis unternommen. Außerdem sei versucht worden, die Sicherheit durch einen 10,5 Kilometer langen Grenzzaun zu erhöhen (mehr hier).

Sicherung verlagert Flüchtlingswege

„Diese Maßnahmen haben zu einer Veränderung des Flüchtlingsrouten geführt“, so Rayfield zur türkischen Zeitung Hürriyet. Die Wege hätten sich vom Land auf das Wasser verschoben. Doch vor allem Letzterer sei ausgesprochen gefährlich. So würden nicht selten rund 50 Leute in ein Boot gepackt werden, das eigentlich nur für 20 ausgelegt sei. Die Folge: Sie sinken mit Schwangeren, Kindern und älteren Menschen an Bord.

Selbst wenn die Flüchtlinge es bis an die griechische Grenze schafften, würden sie zurückgewiesen. Zudem käme es auch unter behördlicher Aufsicht zu Menschenrechtsverletzungen. Exemplarisch für das Schicksal vieler verweist Rayfield auf die Geschichte eines 17-jährigen Jungen aus Afghanistan, der Griechenland über den Iran und die Türkei erreicht hatte. Der Junge, seine fünf Geschwister und Neffen seien diese Woche in einem völlig überfüllten Boot auf einer griechischen Insel angekommen. Zunächst seien sie in ein Rettungsboot verbracht, dann aber wieder in das ursprüngliche zurückgesetzt worden.

EU muss mehr Verantwortung übernehmen

„Nach Angaben des Jungen sei das Boot von griechischen Sicherheitsbeamten beschädigt worden, damit die Motoren nicht mehr funktionierten“, so Rayfield. Geschichten dieser Art, fährt sie fort, gebe es viele. Ihrer Ansicht nach müsse die EU hier mehr Verantwortung übernehmen und Menschenrechtsverletzungen sofort stoppen. Obwohl die Türkei hier gegenüber Griechenland auf Grund seiner Gesetzgebung in der besseren Position wäre, sei das „immer noch nicht genug“.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Nordafrika, dem Sudan, Afghanistan, Libanon und dem Irak. Dazu kommt eine steigende Anzahl Asylsuchender aus Syrien. Derzeit gehört die Türkei zu den zehn wichtigsten Zufluchtsorten der Welt (mehr hier).

Hier geht es zum vollständigen Bericht.

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