USA und Guantánamo​: 106 Häftlinge befinden sich noch im Hungerstre​ik

Derzeit befinden sich noch 106 Guantánamo-Häftlinge im Hungerstreik. Dutzende von ihnen werden zwangsernährt. Die menschenunwürdigen Bedingungen im Lager sind weltweit bekannt. Der ehemalige Häftling Murat Kurnaz fordert die sofortige Schließung

Aktuell befinden sich 106 von 166 Häftlingen des US-Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba im Hungerstreik. 45 Personen von ihnen werden zwangsernährt. Die ersten Häftlinge wurden am 11. Januar 2002 nach Guantánamo gebracht.

Die amerikanische Ärztevereinigung (AMA) ist der Ansicht, dass Zwangsernährung gegen die ethischen Grundsätze von Ärzten verstoße und eine schwere Körperverletzung darstelle, berichtet das Ärzteblatt.

In Guantánamo waren bisher 779 Gefangene inhaftiert. Die meisten von ihnen wurden weder angeklagt noch verurteilt. Mindestens 12 Gefangene seien jünger als 18 Jahre gewesen als sie inhaftiert wurden, berichtet Amnesty International.

Die Geschichte von Murat Kurnaz

Auch der in Deutschland geborene und aufgewachsene Türke Murat Kurnaz war von 2002 bis 2006 ein Guantanamo-Häftling. In mehreren Interviews hat er gesagt, dass er im US-Lager Zeuge von Morden an Häftlingen wurde. Sie seien gefoltert und totgeprügelt worden.

„Ich bekam die Waterboarding-Behandlung und ich habe gesehen wie mehrere Menschen vor mir getötet wurden (…) Manche trat man so lange gegen den Kopf bis sie starben. Ein anderer hing an einer Kette bis er tot war (…) Der jüngste Häftling war acht Jahre alt, der zweitjüngste 12 (…) Ich hatte zuvor als junger Mann noch gedacht: `Da geht es sicher mit Recht und Ordnung zu in den Händen der Amerikaner´. Ich hatte all die Hollywood-Filme gesehen, in denen sie die Guten waren und den Schwachen halfen. Was ich dann gesehen hatte, war was völlig anderes.“

Im Guantánamo-Lager gebe es einen Bereich mit Sportplätzen, den Kurnaz „Camp Hollywood“ nennt. Der Bereich sei für Journalisten-Besuche gedacht. Die Gefangenen dürfen immer dann auf den Sportplatz, wenn Journalisten ins Lager kommen, um sich über die Situation der Häftlinge zu informieren. Sobald die Journalisten wieder weg sind, nehme alles seinen gewohnten Gang. Kurnaz setzt sich für die sofortige Schließung des Lagers ein.

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