Dritter Airport in Istanbul: Verzögern die Proteste das Mega-Projekt?

Allein mehr als 2,5 Millionen Bäume stehen derzeit auf dem Gelände des zukünftigen dritten Airports von Istanbul. Der geplante Eingriff in die Umwelt soll immens sein. Nachdem Umweltschützer Ende Mai die Proteste im Gezi Park initiiert haben, gibt es nun Befürchtungen, dass sie sich auch gegen das Flughafenprojekt stellen könnten.

Spätestens seit den Gezi-Park-Protesten ist in der türkischen Öffentlichkeit eine erhöhte Sensibilität für Umweltbelange zu beobachten. In Folge dessen, so fürchtet nun Augustin de Romanet, CEO von Aéroports de Paris und Partner des türkischen Flughafenbetreibers TAV, könnte sich auch der Bau des dritten Flughafens in Istanbul merklich verzögern. In der Tat werden die Belastungen für die Umwelt immens – nicht nur in Folge des Baus.

Immerhin, das riesige Bauvorhaben, das einer dritten Bosporus-Brücke sowie die dazugehörigen Verbindungsstraßen würden, das zeigen entsprechende Untersuchungen, sieben der 122 wichtigsten türkischen Gebiete mit natürlicher Vegetation betreffen. Nachdem die jüngsten Gezi Park Proteste nun auf Grund von „Umweltbelangen“ losbrachen – zumindest war das ein Aspekt – könnten nun im Zuge des Flughafenbaus erneut derartige Proteste los brechen.

Gezi Park Proteste: Umweltschützer haben mehr Selbstbewusstsein

Romanet jedenfalls, so berichtet die türkische Zaman, sei froh, dass TAV seine Bewerbung für die Ausschreibung des dritten Flughafens verloren habe. Denn Umweltschützer, die durch die jüngsten Ereignisse an Selbstbewusstsein gewonnen hätten, könnten nun weitere Proteste initiieren, um den Bau des dritten Flughafens verhindern zu wollen. Vorgesehen ist eigentlich, dass der Airport bis 2016 in Betrieb gehen soll.

Die TAV hat die Betreiberlizenz für den hiesigen Atatürk Flughafen noch bis 2021 inne. Aeroports de Paris hält seit März 2012 38 Prozent von TAV. Mit dem Atatürk Flughafen fährt TAV im Augenblick 40 Prozent seines Umsatzes ein. Ursprünglich hatte TAV auch an der Bieterrunde für den dritten Flughafen in Istanbul teilgenommen. Den Zuschlag erhielt schließlich das Limak Konsortium (mehr hier). Die darin vereinigte Cengiz Holding, Kolin Holding, Limak Holding, Mapa Holding und die Kalyon Holding haben ab 2017 das Recht, den geplanten Flughafen für 25 Jahre zu betreiben. Es werden 150 Millionen Passagiere pro Jahr erwartet. Das Auftragsvolumen umfasst 22,1 Milliarden Euro.

Der neue Flughafen soll aus sechs Landebahnen, 16 Rollbahnen, 165 Fluggastbrücken und einem 6,5 Millionen Quadratmeter großen Flugfeld mit einer Parkplatz-Kapazität für 500 Flugzeuge bestehen. 100.000 neue Arbeitsplätze soll das Großprojekt schaffen.

Fast 700.000 Bäume müssen abgeholzt werden

In einem Bericht der Umweltverträglichkeitsprüfung (ÇED) heißt es jedoch, dass sich derzeit 2.513,341 Bäume auf den Baugelände des dritten Istanbuler Flughafens befinden. 657.950 werden abgeholzt. Die restlichen 1.855,391 müssen umgepflanzt werden. Es soll der größte Flughafen der Welt werden (mehr hier).

Der Airport soll auf der europäischen Seite der Stadt, zwischen Yeniköy und Akpinar, entstehen. Dort plant das Ministerium für Umwelt- und Stadtplanung zudem die so genannte „İstanbul Metropolitan“, eine Satellitenstadt mit gut 1,5 Millionen Einwohnern.

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