Dortmund: Neues Mahnmal erinnert an NSU-Opfer

In Dortmund erinnert jetzt ein Mahnmal an alle zehn Opfer des NSU-Terrors. Unweit davon war am 4. April im Jahre 2006 der 39 Jahre alte Mehmet Kubasik in seinem Kiosk auf der Mallinckrodtstraße kaltblütig von mutmaßlichen Tätern des NSU ermordet worden.

NRW-Integrationsminister Guntram Schneider: Demokraten müssen aktiv werden gegen Antidemokraten

NRW-Integrationsminister Guntram Schneider (SPD), selbst Dortmunder, bekundete eingangs seiner Ansprache, wenn man den Gedenkstein sehe, dann sei „unfassbar was in Dortmund passierte“. Es gemahne daran, dass der „Schoß noch immer fruchtbar“ sei. Wiederum würden Menschen in „gut und schlecht“ eingeteilt. Dieser schlechte Geist müsse in der „täglichen Praxis“ überwunden werden. Die Gedenkstätte trüge dazu bei. Denn immer sei „einmal Sehen besser als hundertmal Hören“. Demokraten müssen aktiv werden gegen Antidemokraten, forderte der Minister und dazu auf, das junge Leute politisch tätig werden, auch in Parteien.

Die Türkische Generalkonsulin Sule Özkaya zeigte sich „sehr bewegt“ und forderte „zügige Aufklärung“ der NSU-Mordserie

Die Generalkonsulin der Türkischen Republik, Sule Özkaya, zeigte sich „sehr bewegt“ über das Dortmunder Gedenken. Sie übermittelte das Mitgefühl des türkischen Botschafters an die Familien der NSU-Opfer, der wegen anderer Termine nicht hatte nach Dortmund kommen können. Frau Özkaya forderte eine „zügige Aufklärung“ der NSU-Mordserie im Münchner Gerichtsprozess und darüber hinaus. Den Familien der NSU-Mordopfer sprach die Generalkonsulin eine hohe Anerkennung dafür aus, dass sie Deutschland auch weiterhin als ihre Heimat betrachteten. Sie gab aber auch zu bedenken, dass die Angriffe gegen die türkische Gemeinschaft hierzulande nicht zurückgegangen seien. Das „Vertrauen in die Behörden“ müsse wieder hergestellt, „die Verantwortung jedes Einzelnen“ bewusst gemacht werden.

„BotschafterInnen der Erinnerung“

Jugendliche aus Dortmund, „BotschafterInnen der Erinnerung“ (2011 hatten sie das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz besucht) nehmen diese Verantwortung in täglichen Leben längst wahr. Mit einem Zitat von Erich Kästner machten sie deutlich, dass letzlich alle Bürgerinnen und Bürger quasi für diese Verantwortung haften: „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“

Gamze Kubasik: „Ich überlasse meine Stadt nicht mehr den Nazis!“

Abschließend trat die Tochter des Dortmunder NSU-Opfers Mehmet Kubasik, Gamze Kubasik, ans Mikrofon. Ihre Familie sei tief berührt über die sehr engagierte Mitwirkung des Dortmunder Oberbürgermeisters Ullrich Sierau, der die Gedenkstätte und Gedenken für ihren Vater zur Chefsache gemacht habe. Gamze Kubasik letzte Worte: „Ich überlasse meine Stadt nicht mehr den Nazis!“

Bewegender Abschluss der Einweihungsfeier

Dann legte Familie Kubasik, einmal mehr von Trauer über den schmerzlichen Verlust des Ehemanns und Vaters überwältigt, gemeinsam mit den anderen Gästen der Veranstaltung weiße Rosen vor dem Gedenkstein ab. Den Tränen nahe waren auch der Oberbürgermeister und so manch anderer der Anwesenden der gestrigen Einweihungsfeier der Gedenkstätte. Einer neuen Dortmunder Gedenkstätte, die nun zusammen mit Auslandsgesellschaft und ehemaligen Gestapo-Gefängnis „Steinwache“ („Hölle Westdeutschlands“) ein Dreieck bildet.

Die Gedenkstätte

Der Ort der Erinnerung besteht aus einem zehn Meter langen und zwanzig Zentimeter breiten Basaltstahl, der sich dem Geländeprofil folgend in der Höhe von 50 auf 25 Zentimeter verjüngt. Der Text auf der Oberseite wurde zwischen den beteiligten Städten abgestimmt:

„Neonazistische Verbrecher haben zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen in sieben deutschen Städten ermordet: Neun Mitbürger, die mit ihren Familien in Deutschland eine neue Heimat fanden, und eine Polizistin. Wir sind bestürzt und beschämt, dass diese terrristischen Gewalttaten über Jahre nicht als das erkannt wurde, was sie waren: Morde aus Menschenverachtung. Wir sagen: Nie wieder!“

Den Übergang zu einer zwei Meter hohen, 120 cm breiten und 20 cm starken Gedenkstele bildet ein 1,20 Meter langes, bodenbündig eingebautes Lichtband. Die Stele trägt auf der einen Seite die Namen der Opfer, ihre Wohnorte und die Daten ihrer Ermordung:

„Wir trauern um

Enver Simsek, 11. September 2000, Nürnberg
Abdurrahim Özüdogru, 12. Juni 2001, Nürnberg
Süleyman Tasköprü, 27. Juni 2001, Hamburg
Habil Kilic, 29. August 2001, München
Mehmet Turgut, 25. Februar 2004, Rostock
Ismail Yasar, 5. Juni 2005, Nürnberg
Theodoros Boulgaridis, 15. Juni 205, München
Mehmet Kubasik, 4. April 2006, Dortmund
Halit Yozgat, 6. April 2006, Kassel
Michéle Kiesewetter, 25. April 2007, Heilbronn“

Auf der anderen Seite liest man die Inschrift: „Gedenkstätte für die Opfer terroristischer Gewalt“ und das Errichtungsdatum. Umgeben ist die Gedenkstätte von je drei Bänken, umrahmt von je drei Platanen. An der gestalterischen Erarbeitung der Gedenkstätte wirkten u. a. TU-Professorin Christa Reicher und Bildhauerin Dorothee Bielfeld, Ludger Wilde und Norbert Kelzenberg sowie Dr. Rosemarie Pahlke mit.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.