Wer hat Schuld an den Altona-Kra​wallen? Die Meinungen gehen weit auseinander

Die Ursache für die gewaltsamen Krawalle in Altona ist weiterhin unklar. Die Polizei bezichtigt die Jugendlichen des „Stolperviertels“ des Widerstands gegen Vollzugsbeamte und des Landfriedensbruchs. Doch die mehrheitlich aus Migrantenfamilien stammenden Jugendlichen fühlen sich seit geraumer Zeit von der Polizei vorsätzlich diskriminiert. Zudem gebe es im gesamten Viertel keine Freizeitmöglichkeiten.

Die schweren Ausschreitungen der vergangenen Tage im „Stolperviertel“ von Altona beschäftigen sowohl Anwohner als auch die Polizei. Die Lage hat sich mittlerweile beruhigt. Doch nun wird über die Ursachen gerätselt. Dabei gehen die Meinungen zwischen Polizisten und Anwohnern des Viertels weit auseinander.

Swaantje S., Anwohnerin im „Stolperviertel“, sagt, dass es immer wieder zu Einbrüchen und Diebstählen gekommen sei. Sie sei zwar froh, dass die Polizei mehr Kontrollen vornimmt. Allerdings kämen die Übeltäter aus anderen Vierteln. Alles falle dann auf die Menschen aus dem Viertel zurück.

„Bei jeder Kleinigkeit kriegen wir Anzeigen wegen Beamtenbeleidigung. Aber die Polizisten selbst versuchen, uns mit respektlosen Sprüchen einzuschüchtern“, zitiert Hamburger Morgenpost den 21-jährigen Anwohner des Viertels, Mustafa Y. Das Fastenbrechen im Monat Ramadan erfolge in der Nacht. Da sei es völlig normal, dass die Menschen auch Nachts vom Fastenbrechen nach Hause oder zu Besuch gehen.

Keine Freizeitangebote

Doch tagsüber gebe es nahezu keine Möglichkeiten, die Freizeit sinnvoll zu nutzen. Es gebe „nichts“ die Jugendlichen hingehen könnten. „Die Stadt hat uns sogar den Fußballplatz genommen. Wir haben nur die Straße, werden aber gleich als kriminelle Gruppierung abgestempelt“, so Mustafa Y.

Am Sonntag hatten sich die Anwohner mit der Polizei zusammengesetzt und sie darum gebeten, die durchgehenden Kontrollen im Viertel einzustellen. Junge Migranten des Viertels seien gezwungen ihre Ausweise mehrmals am Tag vorzuzeigen.

Die Menschen stehen unter Generalverdacht und seien frustriert. Am Montagabend werde ein zweites Treffen mit den Eltern und der Polizei stattfinden. Es soll eine Einigung erzielt werden.

Wer hat angefangen?

Die Hamburger Polizei beharrt weiter auf der These, dass die Jugendlichen die Polizeibeamten zuerst attackiert hätten. Doch die Ausschreitungen seien nicht kulturell oder ethnisch begründet. Auf Nachfrage, ob es Parallelen zu den Ausschreitungen in Schweden gebe, sagte der Sprecher, dass jeder „die Kirche im Dorf“ lassen solle.

Es gebe keinerlei Parallelen, da die Ausgangsbedingungen und Umstände keine Ähnlichkeiten aufweisen. In der Nacht zum vergangenen Samstag wurden im Zuge der Krawalle insgesamt drei Autos angezündet (mehr hier).

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