Horror im Gefängnis? Gezi-Park Demonstranten sitzen bei Vergewaltigern und Mördern ein

In der Türkei sollen inhaftierte Gezi-Park Demonstranten offenbar ganz bewusst in Gefängniszellen mit Schwerverbrechern gesteckt werden. Dort werden sie Opfer von Übergriffen durch Insassen. Ein Gewaltopfer hat sich zu den Vorkommnissen geäußert. Er soll schreckliche Dinge erlebt haben.

Im Zuge der Massenproteste in der Türkei wurden zahlreiche Menschen inhaftiert. Unter ihnen befinden sich mehrheitlich junge Menschen und Studenten. Doch auch Anwälte, Ärzte, Künstler und weitere Zivilisten sitzen derzeit ein. Offenbar soll es auch bei der Zuteilung der Inhaftierten nicht mit rechten Dingen zugehen.

Seite an Seite mit Mördern und Vergewaltigern

Die Menschen werden bewusst in die Zellen von Vergewaltigern und Mördern gesteckt. Dort werden sie Opfer von sexuellen- und weiteren körperlichen Übergriffen. Der 25-jährige Umut Akgül soll nach eigenen Angaben neun Tage lang Opfer derartiger Übergriffe gewesen sein. Im Istanbuler Metris-Gefängnis habe er schreckliche Dinge erlebt, berichtet die Zeitung Birgün.

„Als die Insassen erfuhren, dass ich aufgrund meiner Teilnahme an den Gezi-Park Protesten einsitze, haben sie mich angegriffen. Sie haben damit gedroht allen inhaftierten Gefangenen den Kopf abzuschneiden. Ich wurde zum Fasten gezwungen und musste nach dem Fastenbrechen den Abwasch machen. Zudem wurde ich auch in anderen Angelegenheiten, wie ein Diener behandelt. Ich musste Tee kochen und bis zum Morgengrauen sie Stellung halten“.

Der Vater von Umut Akgül, Ali Akgül, beschuldigt die Staatsanwaltschaft und die Polizei für die Vorkommnisse in den Gefängnissen. Sein Sohn sei unschuldig eingewiesen worden und leide seitdem unter Angstzuständen. Der Chefredakteur der Zeitung Hürriyet, Ertuğrul Özkök, schreibt in einem Artikel, dass er geschockt sei. Sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten sehe er darin kein gutes Omen für die Zukunft der Türkei.

Harter Vergleich mit Mussolini-Ära

Allen, die immer noch ruhig halten und keine Kritik an den widrigen Umständen äußern empfehle er den italienischen Film „La Villeggiatura“ aus dem Jahr 1973. Der Film spielt in der Anfangsphase des Mussolini-Regimes. Dort wird anschaulich geschildert, wie italienische Kommunisten in die Zellen von Mördern und Vergewaltigern gesteckt werden. Keiner von ihnen verlässt lebend das Gefängnis.

In den vergangenen Tagen wurden bei Razzien der türkischen Anti-Terror-Einheit der Polizei insgesamt 30 linke Studenten inhaftiert. Sie sollen während der Massenproteste in der Türkei an „provokativen Aktionen“ beteiligt gewesen sein (mehr hier).

Die Studenten erwarten Anklagen auf Grundlage der Anti-Terror-Gesetze. Alleine die Untersuchungshaft kann sich über einen Zeitraum von fünf Jahren erstrecken.

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