Türkische Polizei bedauert Gewalt-Exzesse gegen Bürger

Auch türkische Polizisten sind offenbar unzufrieden mit den Ausschreitungen der vergangenen Wochen. Einer von ihnen hat sich zu Wort gemeldet und übt scharfe Kritik an der Polizei. Fehlentscheidungen des Gouverneurs und der Polizei-Chefs sollen erst zu Gewalt und Zerstörung geführt haben. Die Gezi-Park Aktivisten seien unschuldig.

Auch türkische Polizisten mussten während der Massendemonstrationen der vergangenen Wochen viel mitmachen. Tagelang waren sie durchgehend im Einsatz. Viele von ihnen mussten auf den Straßen schlafen. Doch auch mit den Befehlen zum exzessiven Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern waren sie nicht immer einverstanden.

Nun haben sich einige von ihnen zu Wort gemeldet. Einer von ihnen – namentlich nicht genannt – hat sich im Verlauf der Proteste in zivil zu den Gezi-Park Demonstranten gesellt. Er wollte die Lage beurteilen. Die Solidarität unter den Demonstranten habe ihn sehr beeindruckt. Er konnte keinerlei gewalttätige Absichten beurteilten. „Wenn die Solidarität unter uns Polizisten so groß wäre, hätten wir sehr viel weniger interne Probleme. Die Menschen dort haben sich vorbildlich verhalten“, zitiert ihn die Hürriyet.

Sehr viele Polizisten sollen dem Druck nicht mehr standgehalten haben. Ein Kollege von ihm soll wie wild mit einer Gaspistole in die Menge geschossen haben. „Er hatte die Kontrolle verloren und wusste nicht mehr, was er tat. Wir haben 15 bis 20 Minuten gebraucht, um ihn zu beruhigen“, so der anonyme Polizist.

Die hohe Selbstmordrate innerhalb der Polizei sei nicht überraschend. Denn das interne System sei völlig marode. Es gebe nicht ein einziges Rehabilitations-Zentrum für Polizeibeamte. Zudem werden als Gefängniswärter Polizeibeamte eingesetzt, die zuvor im Dienst Fehler begangen haben. Das sei eine Art Bestrafung. Es gebe keine professionellen Gefängniswärter, sondern nur frustrierte Polizeibeamte, die auf Häftlinge aufpassen.

Die Hauptschuld an den Ausschreitungen in der Türkei trage der Istanbuler Gouverneur und danach die Polizei-Chefs.

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