Schüler mit Migrationshintergrund sind die großen Verlierer des deutschen Bildungssystems

Kinder mit nichtdeutschem Hintergrund sind in Deutschland besonders häufig an segregierten Schulen, Schulen deren Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund 50 Prozent übersteigt, wie eine aktuelle Studie zeigt. Damit verringern sich ihre Aufstiegschancen enorm. Lösungsvorschläge gibt es zwar, sie sind allerdings nur schwer und langfristig realisierbar.

In Deutschlands Städten kommt es zu einer immer stärkeren ethnischen Segregation an Schulen. Der Anteil an segregierten Schulen, Schulen deren Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund über 50 Prozent beträgt, ist vor allem in Großstädten groß. Die Aufstiegschancen schwinden damit in erster Linie für Kinder mit Migrationshintergrund. 70 Prozent von ihnen besuchen eine Grundschule mit hohem Zuwandereranteil. Auch in Kleinstädten beträgt dieser Anteil immerhin noch 41 Prozent, wie die aktuelle Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Migration und Integration zeigt.

Dabei macht ein hoher Zuwandereranteil eine Schule entgegen der gesellschaftlichen Wahrnehmung nicht schlecht, sagt Jan Schneider, Leiter des SVR-Forschungsbereichs. Vielmehr wirkt sich der soziale Hintergrund auf die Leistung einzelner Schüler aus. Da Schüler mit Migrationshintergund häufiger aus sozial schwächeren Familien kommen, kommt es erst zu der falschen Annahme.

Eltern, die es sich leisten können, sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund, ziehen aus den Problembezirken weg und verstärken die Situation dadurch nur noch. Doch eine „Entmischung von oben“ lehnen die Autoren der Studie ab. Hierbei gebe es nachweislich keine positiven Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Schüler.

Die Lösung für das Problem sei dagegen die interkulturelle Öffnung der Schulen. Auf diese Weise sollen sich Schulen an die Vielfalt vor Ort anpassen. Die Zusammenarbeit mit Eltern müsse erreicht werden, indem auf diese zugegangen wird, wenn nötig sollten dabei sprachliche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Sprachintensive Aufgaben dürften sich nicht auf den Deutschunterricht beschränken. Die Bildungspolitik müsse außerdem auf das Siebkannenprinzip verzichten und Schulen in Brennpunkten mehr Mittel zukommen lassen.

Die Stärkung des Selbsbewusstseins der Schüler müsse für den Lehrer an erster Stelle stehen, sagt Matthias Forell, Lehrer an einer segregierten Schule in Bochum. Das geschehe durch eine „ganzheitliche Wahrnehmung der Schüler“. Lehrer müssten ihre Schüler auch außerhalb des Unterrichts kennenlernen und ihre Vielfalt als etwas Positives anerkennen.

Dass Lehrer im deutschen Bildungssystem, so wie es jetzt ist, dafür auch die Zeit finden, bleibt eine Wunschvorstellung.

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