Ramadan in Bosnien: Frauen rezitieren seit Jahrhunderten aus dem Koran

Seit 500 Jahren rezitieren die Frauen von Sarajewo im heiligen Monat Ramadan aus dem Koran. Immer mehr bosnische Musliminnen entwickeln ein Interesse für den religiösen Sprechgesang. Doch die Erinnerungen an die Schrecken des Bosnienkriegs sind allgegenwärtig.

Seit 500 Jahren rezitieren muslimische Frauen in der Gazi-Husrev-Beg-Moschee von Sarajewo den gesamten Monat Ramadan hindurch aus dem Koran.

Sie gehören zu den weiblichen „Hafız“, genauer „Hafıza“. Als „Hafız“ bezeichnet man eine Person, die den Koran auswendig gelernt hat und ihn im Rahmen eines Sprechgesangs vorträgt. Sie genießen ein hohes Ansehen unter Muslimen, da sie das Wort Gottes verinnerlicht haben sollen.

Seit 2007 Jahren wenden sich immer mehr bosnisch-muslimische Frauen dem Koran zu und wollen den islamischen Sprechgesang erlernen. Es finden regelmäßige Wettbewerbe statt, berichtet die Zeitung Türkiye.

Bosnische Muslime sind für Erdoğan

Denn nach den Massenmorden an den bosnischen Muslimen im Verlauf des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995, suchen immer mehr Frauen Halt in der Religion. Unter ihnen befinden sich viele Witwen, deren Männer durch serbisch-nationalistische Milizen ermordet wurden.

Den Glauben an die internationale Staatengemeinschaft haben die Frauen längst verloren. Denn das Massaker von Srebrenica im Jahr 1995 fand vor den Augen von niederländischen UN-Soldaten statt.

Der türkische Ministerpräsident Erdoğan ist sehr beliebt bei den bosnischen Muslimen. Das zeigte sich auch im Verlauf der vergangenen Massenproteste in der Türkei. Es wurden Pro-Erdoğan Demonstrationen in Sarajewo und weiteren bosnischen Städten veranstaltet.

Die AKP-Regierung versucht im Rahmen von gemeinsamen Kultur- und Wirtschaftsprojekten, eine Lebensgrundlage für die Muslime in Bosnien zu schaffen. Zudem teilt Erdoğan die Trauer der Menschen. Das hat er bei mehreren Sarajewo-Besuchen gezeigt.

Die bewaffneten Verbände der Serben hatten im Bosnienkrieg versucht, alle kulturellen Spuren der Osmanen und Muslime zu zerstören. Doch einige wenige Spuren sind übriggeblieben und die Frauenstimmen der „Hafıza“ von Sarajewo ertönen lauter als je zuvor.

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