Auf Kosten der Natur: Neues Wasserkraftwerk im Beydağları National Park geplant

Das türkische Ministerium für Umwelt- und Stadtplanung hat den Bau eines neuen Wasserkraftwerks (HES). Besonders pikant: Das betreffende Gewässer passiert den Beydağları National Park. Umweltschützer schlagen Alarm.

Innerhalb des Kesme Boğazı-Abschnitts des Beydağları National Parks in der türkischen Provinz Antalya soll offenbar ein neues Wasserkraftwerk (HES) errichtet werden. Das Gebiet mit seinem tiefen Flusstal gilt nicht nur wegen seiner hervorragenden Rafting-Strecken als touristische Attraktion, sondern beherbergt zudem auch zahlreiche seltene Pflanzen.

Endemische Pflanzen stehen auf dem Spiel

So fürchtet unter anderem die Direktion für Naturschutz und Nationalparks (Çevre Etkileşim Değerlendirme (ÇED)), dass der floristische Reichtum der Region beschädigt werden würde, sobald die Bauarbeiten begännen. Rund 32 endemische Pflanzen stünden auf dem Spiel. So ist Kesme Boğazı etwa die Heimat des so genannten Crocus wattiorum, der sonst nirgends auf der Welt vorkommt. Gleiches gilt auch für die so genannte Kemer Orchidee (Ophrys climaci). Andere Sorgen hat unterdessen der Vorsitzende des türkischen Unternehmer- und Tourismusvereins (KEMIAD), Ali Nail Kılıç. Seiner Ansicht nach sei der Bau des Wasserkraftwerks vor allem eine unglückliche Entscheidung, weil dies in ein Gebiet stattfinde, welches als einzige Trinkwasser-Quelle diene.

Gerade in Anatolien, so berichtet die türkische Zeitung Zaman, würden Wasserkraftwerke derzeit Hochkonjunktur haben, um mit ihrer Hilfe die dringend benötigte Energie zu erzeugen. Das Besondere der HES-Anlagen. Sie erzeugen den Strom selbst auf kleinen Wasserstraßen wie Bäche und Flüsse. Zudem sind die Betriebskosten niedrig und werden in der Türkei selbst hergestellt. Alles in Allem tragen sie zur Verringerung der Abhängigkeit der Türkei von ausländischen Quellen für elektrische Leistung bei.

Umweltschützer sind gegen die Standorte

Bis 2040 sollen demnach bis zu 1.600 HES-Systeme in der Türkei errichtet werden. Die Prognose: Mit diesen Anlagen sollen bis dahin acht Prozent des nationalen Strombedarfs gedeckt werden. Doch Umweltschützer schlagen Alarm. Die Planungen sind ihrer Meinung nach mehr als dürftig. Würden die HES-Systeme tatsächlich an den vorhergesehenen Stellen gebaut, hätten sie verheerende Auswirkungen auf die umgebenden Ökosysteme. Hinnehmen, so die Zaman weiter, wollen die das allerdings nicht. Kleine lokale Organisationen und vielen Umweltgruppen hätten bereits damit begonnen, gegen den rücksichtslosen Bau von HES-Systemen zu protestieren. Und ihre Stimmen würden immer lauter. Heftigen Protest rufen auch die ambitionierten Staudammpläne in der Türkei hervor (mehr hier).

Bereits Anfang März dieses Jahres hat der türkische Energieminister Taner Yıldız eingeräumt, dass einige Wasserkraftwerke des Landes die hiesige Umwelt geschädigt haben. Vollends die Verantwortung dafür übernehmen, will die türkische Regierung aber offenbar nicht. Der Minister schiebt den schwarzen Peter den Vertragspartnern und ihrem „rüpelhaften Ansatz“ zu (mehr hier).

Der 1972 ins Leben gerufene Beydağları National Park hat eine Größe von 34.425 ha und beginnt im Süd-Westen Antalyas in Sarısu. Er erstreckt sich am Küstenstreifen Kemer-Kumluca entlang parallel zum Mittelmeer bis hin zur Gelidonya Landzunge.

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