Ramadan in Istanbul: Abdullah Gül beim Fastenbrec​hen mit Aleviten

Auf einem alevitisch-sunnitischen Iftar-Essen hat sich der türkische Präsident Abdullah Gül in einer Ansprache zur Vielfalt der Türkei bekannt. Doch die Aleviten lassen sich nicht mehr mit warmen Worten abspeisen. Sie verlangen Schritte in Richtung Gleichstellung.

In Istanbul fand ein Iftar-Essen unter dem Motto „alevitisch-sunnitische Brüderlichkeit“ statt. Die Veranstaltung wurde von zwei türkischen Geschäftsmännern gesponsort. Neben Wirtschaftsvertretern, türkischen Parlamentariern und führenden Aleviten, befand sich auch der türkische Präsident Abdullah Gül unter den geladenen Gästen.

Gül sagte im Rahmen einer Ansprache, dass es die Aufgabe aller Bürger des Landes sei, die Realitäten der türkischen Gesellschaft zu akzeptieren. Denn es gebe in der Türkei auch Aleviten und Nicht-Muslime, berichtet die Zeitung Today`s Zaman.

„Unabhängig unserer religiösen Vorstellungen und Meinungen sind wir alle Bürger dieses Landes. Die Stärke von großen Staaten besteht in ihrer Vielfältigkeit. Der Mangel an Vielfältigkeit steht im Gegensatz zu Größe und Reichtum.“

Misstrauen unter Aleviten

Auch einer der führenden Köpfe der türkischen Bektaschi-Aleviten, Seyit Derviş Tur, äußerte sich auf der Veranstaltung. Die Benennung der neuen Istanbuler Brücke in „Yavuz Sultan Selim-Brücke“ sei eine Fehlentscheidung der Regierung. „Dieser Name rufe Ungutes bei den Aleviten hervor und wird die Gesellschaft spalten“, zitiert das Turkish Journal Tur. Stattdessen wäre es konstruktiver, wenn die Brücke den Namen „Yunus Emre-Brücke“ erhalten würde. Dieser Name hätte keine spaltende, sondern eine friedensstiftende Wirkung.

Unter dem osmanischen Sultan Yavuz Sultan Selim (1512-1520) wurden Aleviten als Häretiker angesehen. Im Zuge des osmanisch-safawidischen Konflikts soll der Sultan die Tötung von 40.000 Aleviten angeordnet haben.

Im vergangenen Monat hatte Ministerpräsident Erdoğan die Ausarbeitung eines Reform-Pakets verkündet, der die Gleichstellung der Aleviten garantieren sollte (mehr hier). Doch seitdem ist nichts geschehen. Die Aleviten vermuten eine Mogelpackung.

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