Razzia bei Koç-Gruppe: Untersuchungen können sich bis zu einem Jahr hinziehen

Die Untersuchungen der türkischen Finanzbehörde bei den Tochterunternehmen der Koç-Gruppe könnten ein böses Ende für die Koç-Familie nehmen. Ihnen wird illegaler Energieträgerhandel und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Sollte sich der Verdacht erhärten, könnten die Mitglieder der Unternehmer-Familie hohe Haft- und Geldstrafen erhalten.

Die Untersuchungen der türkischen Finanzbehörde bei den Koç-Töchtern Aygaz, Tüpraş und OPET sollen zwischen sechs Monaten und einem Jahr dauern. Sollten Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen oder anderweitige rechtswidrige Vorkommnisse nachgewiesen werden, droht der Koç-Holding neben hohen Geldstrafen auch der Entzug der Erdöl- und Erdgaslizenzen.

Illegale Aktivitäten vermutet

Bei allen drei Unternehmen wird illegaler Energieträgerhandel vermutet. Sollte sich zudem der Verdacht der Steuerhinterziehung erhärten, könnten in Folgeverfahren alle Angehörigen der Koç-Familie, die in die Geschäfte verwickelt sind verurteilt werden, berichtet das Nachrichtenportal Haber 7.

Kein Racheakt der AKP

Energieminister Taner Yıldız sagt, dass reine Routine-Untersuchungen stattfänden und kein Zusammenhang zu den Gezi-Park Protesten bestehe. Denn Mitglieder der Koç-Familie hatten die Proteste lautstark unterstützt. Regierungskritiker vermuten einen Racheakt. Die Razzien gegen die Koç-Töchter fanden am Mittwoch statt (mehr hier)

Aufgrund der Razzia ist der Marktwert der Koç-Holding an der Börse um 2,3 Milliarden US-Dollar auf 44 Milliarden US-Dollar zurückgegangen. Noch im April hatte die international bekannte Kredit-Ratingagentur Standard and Poor’s den „Investment Grade“ der Koç Holding auf BBB – heraufgestuft (mehr hier).

Die Koç Holding ist eines der größten Konglomerate in der gesamten Türkei und hauptsächlich in den Bereichen Energie, Automobil, Gebrauchsgüter und Finanzen tätig.  Mit 85.000 Mitarbeitern zählt sie zu den 50 weltgrößten Familienunternehmen außerhalb der USA. Neben der landesweit größte Industrieunternehmen Tüpraş, besitzt sie den Haushaltsgerätehersteller Arçelik sowie die Yapi Kredi Bankasi. In Deutschland bekannt wurde Koç vor allem durch den Kauf der Traditionsmarke Grundig. Nach der Insolvenz 2003 wurde nur ein Jahr später der Bereich Home Intermedia System (HIS) der Grundig AG vom türkischen Elektronikhersteller Beko Elektronik, einer Koç-Tochter, und dem britischen Unternehmen Alba Radio übernommen. Seit 2008 ist die türkische Gruppe alleiniger Eigentümer.

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